Bewertung verdoppelt sich innerhalb von Monaten
Lovable hat eine Series-C-Finanzierungsrunde über 400 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Die Bewertung des europäischen Startups liegt damit bei 13,3 Milliarden US-Dollar. Angeführt wurde die Runde von Menlo Ventures und dem Scaleup Europe Fund, insgesamt beteiligten sich mehr als ein Dutzend Investoren.
Bemerkenswert ist vor allem das Tempo. In der vorherigen Runde im Dezember flossen 330 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 6,6 Milliarden US-Dollar. Die Bewertung hat sich seitdem also verdoppelt.
| Kennzahl | Dezember | Aktuell |
|---|---|---|
| Kapitalaufnahme | 330 Mio. US-Dollar | 400 Mio. US-Dollar |
| Bewertung | 6,6 Mrd. US-Dollar | 13,3 Mrd. US-Dollar |
500 Millionen US-Dollar hochgerechneter Jahresumsatz
Grundlage für die Bewertung ist ein hochgerechneter Jahresumsatz (ARR) von 500 Millionen US-Dollar, den das Unternehmen im Juni erreicht hat. Der ARR beschreibt den auf zwölf Monate extrapolierten Umsatz auf Basis der laufenden Einnahmen, ist also eine Momentaufnahme und kein tatsächlich erwirtschafteter Jahresumsatz.
Nach eigenen Angaben hostet Lovable inzwischen 60 Millionen Projekte, die auf 900 Millionen Besucher pro Monat kommen. Wie sich der Umsatz auf Unternehmenskunden und Einzelnutzer verteilt, nennt das Unternehmen nicht.
Eigenes Modell und Mehrjahresvertrag mit Google Cloud
Technisch ist die Plattform nicht mehr nur ein Aufsatz auf fremde Modelle. Neben den üblichen Frontier-Modellen der großen Anbieter setzt Lovable auch ein eigenes, intern trainiertes KI-Modell ein. Damit sinkt die Abhängigkeit von einzelnen Modellanbietern, dafür steigt sie an anderer Stelle.
Im Juni hat Lovable einen Mehrjahresvertrag mit Google Cloud unterschrieben, der einer Verfünffachung der bisherigen Cloud-Nutzung entspricht. Wer auf der Plattform baut, hängt damit indirekt an dieser Infrastruktur. Zusätzlich investiert Lovable selbst in andere europäische Startups, etwa in das dänische Unternehmen Atech, das Vibe-Coding-Software für den Entwurf von Hardware baut.
Was das für Unternehmen bedeutet
Die Zahlen belegen, wie groß die Nachfrage nach Werkzeugen ist, mit denen Anwender Software per KI selbst zusammenbauen statt ein fertiges Abo zu kaufen. Genau darin liegt der Reiz: Statt jedes Nischenproblem mit einem weiteren Lizenzvertrag zu lösen, entsteht die passende Anwendung intern.
Wer klassische SaaS-Abos gegen eine Plattform tauscht, die mit 13,3 Milliarden US-Dollar bewertet ist und an einem Mehrjahresvertrag mit einem Hyperscaler hängt, verlagert die Abhängigkeit möglicherweise nur.
Wichtig sind daher zwei Fragen, die aus den vorliegenden Angaben nicht hervorgehen. Erstens: Wie vollständig lässt sich generierter Code exportieren und anschließend selbst betreiben? Zweitens: Welche Datenschutzstandards gelten für die Verarbeitung in der Plattform und im eigenen Modell? Das Unternehmen nennt dazu keine Details.
Wer diese Punkte nicht klärt, baut Geschäftsprozesse auf einer Plattform auf, deren Preisgestaltung sich mit dem Kapitalbedarf verändern kann. Kostendruck durch Token-Verbrauch ist in dem Segment längst Thema, wie das Beispiel von Microsoft und dem Token-Verbrauch der eigenen Entwickler zeigt. Auch die hohen KI-Kosten im Entwicklerbudget sprechen dafür, Alternativen zumindest zu prüfen.
Für Teams, die Ergebnisse aus solchen Plattformen später eigenständig weiterbetreiben wollen, sind offene Werkzeuge eine Option. Coding-Agenten wie Goose als Open-Source-Alternative oder Modelle wie NousCoder-14B unter Apache 2.0 laufen auf eigener Infrastruktur und binden nicht an eine einzelne Plattformbewertung.

