Microsoft: Britische Aufsicht prüft schärfere Regeln

Die britische Wettbewerbsaufsicht CMA erwägt einen strategischen Marktstatus für Microsofts Unternehmenssoftware. Im Fokus stehen Produktbündel, Wechselbarrieren, Cloud-Lizenzen und die Wettbewerbsposition von Copilot.

Microsoft: Britische Aufsicht prüft schärfere RegelnBild: KI-generiert

Britische Aufsicht nimmt Microsofts Softwaremacht ins Visier

Die britische Competition and Markets Authority, kurz CMA, will Microsoft möglicherweise als Unternehmen mit strategischem Marktstatus einstufen. Dieser Status würde der Behörde weitreichendere Eingriffe in die Gestaltung und Vermarktung von Unternehmenssoftware ermöglichen.

Die Konsultation läuft bis zum 13. November 2026. Eine endgültige Entscheidung soll spätestens am 13. Februar 2027 fallen. Die Einstufung allein wäre noch kein Beleg für rechtswidriges Verhalten.

Unternehmen sollten Produkte frei auswählen, Anbieter wechseln und Dienste verschiedener Hersteller miteinander kombinieren können, erklärte CMA-Chefin Sarah Cardell sinngemäß auf Deutsch.

Fünf zentrale Softwarebereiche werden untersucht

Die Behörde sieht Microsoft in allen untersuchten Bereichen in einer starken Position. Dazu gehören nicht nur Office-Anwendungen, sondern auch Betriebssysteme, Sicherheitssoftware, Serverplattformen und Datenbanken.

Untersuchter BereichTypische Microsoft-Produkte
PC-BetriebssystemeWindows
ProduktivitätssoftwareMicrosoft 365, Word, Excel, Outlook, PowerPoint und Teams
SicherheitssoftwareMicrosoft Defender und weitere Sicherheitsdienste
ServerbetriebssystemeWindows Server
Relationale DatenbanksystemeSQL Server

Aus Sicht der CMA betrachten viele Kunden dieses Portfolio als zusammenhängende Softwareumgebung. Die enge technische Integration erleichtert den Betrieb, erhöht aber zugleich die Wechselkosten. Rabatte auf umfangreiche Pakete verstärken diesen Effekt.

Wer einzelne Komponenten durch Konkurrenzprodukte ersetzt, bezahlt häufig weiterhin für ähnliche Funktionen innerhalb eines bestehenden Microsoft-Pakets. Dadurch entsteht eine wirtschaftliche Doppelbelastung. Auch technisch bessere Alternativen können unter diesen Bedingungen schwerer Fuß fassen.

Regeln für Bündel, Schnittstellen und Cloud-Lizenzen

Zu den möglichen Eingriffen gehören Vorgaben für offene technische Schnittstellen und Einschränkungen bei wettbewerbshemmenden Produktbündeln. Microsoft könnte zudem daran gehindert werden, seine Stellung bei Unternehmenssoftware auf benachbarte Märkte wie Cloud-Dienste zu übertragen.

Ein Streitpunkt sind die Lizenzbedingungen für Windows Server und SQL Server. Der Betrieb dieser Produkte kann auf Cloud-Plattformen anderer Anbieter teurer sein als in Microsoft Azure. Solche Konditionen erschweren Multi-Cloud-Strategien und erhöhen die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter.

Die britische Untersuchung berührt damit dieselben Grundfragen, die auch bei europäischen Cloud-Projekten auftreten. Der gestoppte Microsoft-365-Umzug einer niederländischen Steuerbehörde zeigt, dass Souveränität und Anbieterabhängigkeit inzwischen auch auf staatlicher Ebene geprüft werden.

Copilot rückt ebenfalls in den Fokus

Die CMA untersucht außerdem, ob Unternehmen KI-Werkzeuge frei auswählen können. Konkret geht es um die Frage, ob konkurrierende KI-Anbieter gegenüber Microsoft Copilot einen fairen Marktzugang erhalten.

Diese Prüfung ist relevant, weil Microsoft Copilot direkt in bestehende Anwendungen, Identitätsdienste und Verträge integriert. Gleichzeitig kombiniert Microsoft bei Copilot teilweise Abonnements mit zusätzlichen Verbrauchsgebühren. Für Kunden wird dadurch nicht nur der Funktionsvergleich schwieriger, sondern auch die langfristige Kostenplanung.

Microsoft widerspricht der vorläufigen Bewertung. Das Unternehmen bezeichnet seine Produkte einschließlich Copilot sinngemäß als offen und interoperabel. Kunden könnten sie demnach gemeinsam mit konkurrierenden Diensten einsetzen und passende Lösungen frei auswählen.

Was die britische Prüfung für DACH-Unternehmen bedeutet

Die geplante Einstufung gilt zunächst nur für den britischen Markt. Wettbewerbsbehörden in anderen Ländern und die Europäische Kommission beobachten den Fall jedoch. Maßnahmen gegen Bündelung oder diskriminierende Lizenzbedingungen könnten deshalb über Großbritannien hinaus Wirkung entfalten.

Für IT-Verantwortliche lohnt sich bereits jetzt eine Bestandsaufnahme. Entscheidend ist, welche Microsoft-Produkte tatsächlich genutzt werden, welche Funktionen nur als Teil eines Pakets bezahlt werden und welche Datenformate oder Identitätsdienste einen Wechsel erschweren.

Open Source und selbst betriebene Lösungen können in einzelnen Bereichen Abhängigkeiten reduzieren, verursachen aber eigenen Integrations- und Betriebsaufwand. Projekte wie OpenDesk mit KI-Agenten und Air-Gap-Betrieb zeigen, dass alternative Softwarestacks zunehmend auch Anforderungen großer Organisationen adressieren.

Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob ein integriertes Paket bequem ist. Relevant ist, ob diese Bequemlichkeit langfristig höhere Lizenzkosten, eingeschränkte Wahlfreiheit oder einen schwer kalkulierbaren Anbieterwechsel verursacht.