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Nvidia investiert 3,5 Milliarden US-Dollar in MediaTek

Nvidia investiert 3,5 Milliarden US-Dollar in MediaTek und öffnet sein NVLink-Fusion-Ökosystem für dessen maßgeschneiderte KI-Chips. Damit verlagert Nvidia die Kundenbindung von einzelnen GPUs auf die gesamte Infrastruktur eines Rechenzentrums.

Nvidia investiert 3,5 Milliarden US-Dollar in MediaTekBild: KI-generiert

MediaTek erhält Zugang zu Nvidias Rechenzentrums-Stack

Nvidia investiert 3,5 Milliarden US-Dollar direkt in den taiwanischen Chiphersteller MediaTek. Im Gegenzug wird MediaTek seine maßgeschneiderten KI-Chips in Nvidias NVLink-Fusion-Ökosystem integrieren können.

NVLink verbindet Prozessoren und Beschleuniger innerhalb eines KI-Systems mit hoher Bandbreite. Über NVLink Fusion lassen sich auch Chips anderer Hersteller in eine Infrastruktur einbinden, die auf Nvidias Netzwerk-, Gehäuse- und Rack-Technik basiert.

Der Deal richtet sich damit nicht nur gegen konkurrierende Chipanbieter. Nvidia reagiert vor allem auf Amazon, Google, Microsoft, OpenAI und Anthropic. Diese Unternehmen entwickeln eigene Chips, um ihre Abhängigkeit von Nvidia-GPUs zu reduzieren.

Nvidia will den Standard für komplette KI-Racks setzen

MediaTek entwickelt kundenspezifische ASICs. Das sind Chips, die für klar definierte Aufgaben und bestimmte Arbeitslasten optimiert werden. Solche Bausteine können bei hohen Stückzahlen günstiger und energieeffizienter sein als universell einsetzbare GPUs.

Nvidia akzeptiert mit der Kooperation, dass künftig mehr Rechenarbeit auf fremden Chips laufen könnte. Gleichzeitig soll die Infrastruktur rund um diese Chips weiterhin auf Nvidia-Technik basieren. Dazu gehören Verbindungen, Netzwerkkomponenten und die Architektur vollständiger Server-Racks.

„Nvidia ist ein KI-Infrastrukturunternehmen. Wir haben uns schon vor Jahren über reine Rechenchips hinaus erweitert“, erklärte Dion Harris von Nvidia sinngemäß.

Die Strategie verlagert den Vendor-Lock-in. Statt nur die Rechenbeschleuniger zu kontrollieren, versucht Nvidia, den technischen Standard für das gesamte KI-Rack zu stellen. Eigene Chips eines Cloud-Anbieters könnten dann direkt neben Nvidia-GPUs arbeiten, ohne dass die grundlegende Architektur gewechselt wird.

Die wichtigsten Zahlen

KennzahlWertEinordnung
Nvidia-Investition in MediaTek3,5 Milliarden US-DollarDirektes Investment
Zusätzliche Nvidia-GPUs bei AWS2 MillionenTeil einer separaten Kooperation mit NVLink Fusion
Erwarteter MediaTek-Umsatz mit Rechenzentrums-ASICs 20262 Milliarden US-DollarPrognose für den Jahresumsatz der Sparte

AWS verfolgt bereits einen ähnlichen Ansatz

In der Vorwoche hatte Nvidia eine vergleichbare Zusammenarbeit mit AWS vereinbart, allerdings ohne direkte Beteiligung. AWS will zwei Millionen zusätzliche Nvidia-GPUs bereitstellen und zugleich NVLink Fusion integrieren. Die Größenordnung der GPU-Bestellung zeigt auch der Bericht über die zwei Millionen Nvidia-GPUs für AWS.

Das Muster ist klar: Hyperscaler dürfen eigene Prozessoren entwickeln, sollen diese aber möglichst innerhalb von Nvidias Infrastruktur betreiben. Auch andere Anbieter arbeiten an Alternativen, darunter Google mit zusätzlichen Partnern für eigene KI-Chips und Alibaba Cloud mit eigenen Beschleunigern.

Welche Unternehmen MediaTek bereits mit maßgeschneiderten Rechenzentrums-Chips beliefert, ist nicht bekannt. Ebenfalls offen bleiben die Lizenzkonditionen für NVLink und der Termin erster gemeinsam entwickelter Rechenzentrumsprodukte.

Was der Deal für europäische KI-Infrastruktur bedeutet

Für Unternehmen im DACH-Raum unterstreicht die Investition, wie stark zentrale KI-Infrastruktur von wenigen US-amerikanischen und asiatischen Konzernen kontrolliert wird. Selbst europäische Cloud- und Rechenzentrumsprojekte kommen bei leistungsfähigen KI-Systemen kaum an Nvidias Verbindungs- und Rack-Technik vorbei.

Für den lokalen Betrieb von Open-Source-Modellen können MediaTeks ASICs mittelfristig zusätzliche Hardwareoptionen schaffen. Daraus folgt aber nicht automatisch mehr Unabhängigkeit. Wenn diese Chips über NVLink Fusion in Nvidia-Racks eingebunden werden, bleibt die Architektur an Nvidias Standard gekoppelt.

Für Investitionsentscheidungen zählen daher nicht nur Chippreis und Rechenleistung. Auch Lizenzkosten, Austauschbarkeit der Komponenten, verfügbare Lieferanten und die langfristige Abhängigkeit von proprietären Schnittstellen gehören in die Kalkulation. Zu den konkreten NVLink-Lizenzgebühren nennt die Kooperation bislang keine Details.

Zusammenarbeit reicht bis zu PCs und Fahrzeugen

Nvidia und MediaTek arbeiten nicht nur an Rechenzentrumstechnik. Die Kooperation umfasst auch die Entwicklerrechner DGX Spark und RTX Spark. Hinzu kommen Plattformen für softwaredefinierte Fahrzeuge, bei denen MediaTek Nvidias RTX-Grafik und Drive AGX einsetzt.

„KI verändert jede Rechenplattform, von großen KI-Fabriken bis zum PC und zum Auto. Gemeinsam bringen wir Nvidias beschleunigtes Rechnen in weitere Märkte“, sagte Nvidia-Chef Jensen Huang sinngemäß.

Die Investition ist deshalb mehr als eine Beteiligung an einem Auftragsentwickler für Chips. Nvidia sichert sich eine Position in mehreren Hardwareklassen und versucht zugleich, NVLink als gemeinsamen Infrastrukturstandard zu etablieren. Der Wettbewerb verlagert sich damit zunehmend vom einzelnen Prozessor auf die Frage, wem das technische Gerüst rund um den Prozessor gehört.