OpenAI holt bei US-Geschäftskunden wieder auf

Ramp-Ausgabendaten von mehr als 70.000 US-Unternehmen zeigen, dass OpenAI im laufenden Quartal wieder schneller wächst als Anthropic. Die schnellen Marktverschiebungen sprechen für modulare KI-Architekturen, bei denen sich Modelle ohne grundlegenden Umbau austauschen lassen.

OpenAI holt bei US-Geschäftskunden wieder aufBild: KI-generiert

OpenAI wächst wieder schneller als Anthropic

OpenAI gewinnt bei US-Geschäftskunden wieder an Boden. Grundlage sind Ausgabendaten von mehr als 70.000 Unternehmen, die den Firmenkreditkarten- und Spesenanbieter Ramp nutzen. Im laufenden dritten Quartal wächst OpenAI in diesem Kundensegment schneller als Anthropic.

Anthropic hatte OpenAI im Mai bei den zahlenden Ramp-Geschäftskunden überholt. Bis Juli konnte Anthropic den Vorsprung ausbauen. Die jüngste Entwicklung deutet nun darauf hin, dass dieser Abstand wieder kleiner werden könnte.

ZeitpunktAnthropicOpenAI
Mai41 %39 %
JuliFast 44 %Fast 40 %
Laufendes 3. QuartalWeiteres WachstumSchnelleres Wachstum als Anthropic

Die Daten sind kein Abbild des gesamten Unternehmensmarkts. Ramp ist in den USA verbreitet und hat einen deutlichen Schwerpunkt bei Technologieunternehmen. Absolute Ausgaben in Dollar wurden nicht veröffentlicht.

GPT-5.6 Sol treibt die Nachfrage

Als wichtigsten Grund für OpenAIs Wiedererstarken nennt Ramp-Chefökonom Ara Kharazian das Modell GPT-5.6 Sol. Es werde zunehmend von Entwicklern gewählt. Damit bestätigt sich ein Muster, das bereits beim Preiskampf zwischen OpenAI und Anthropic sichtbar wurde: Leistung und Kosten aktueller Modelle können Unternehmensausgaben kurzfristig verschieben.

Sinngemäß übersetzt: „GPT-5.6 Sol ist wirklich gut und wird zunehmend zur Wahl für Entwickler. Fable 5 enttäuschte dagegen bei Akzeptanz und praktischer Nutzung, angesichts des Preises und der regulatorisch bedingten Anforderungen an die Datenaufbewahrung.“

Anthropics High-End-Modell Fable 5 konnte demnach weniger Nachfrage auslösen. Als Hürden gelten der hohe Preis und eine angekündigte Aufbewahrungsfrist von 30 Tagen für Nutzerdaten. Genaue Preise und Lizenzbedingungen der beiden Modelle gehen aus den Daten allerdings nicht hervor.

Für Unternehmen im DACH-Raum ist die Speicherfrist besonders relevant. Bei personenbezogenen oder vertraulichen Daten müssen Aufbewahrung, Verarbeitungszweck und vertragliche Regelungen zur eigenen Datenschutz- und Compliance-Struktur passen. Angebote mit Zero Data Retention bei OpenAI zeigen, dass Datenaufbewahrung inzwischen selbst zu einem Wettbewerbsfaktor wird.

Mehr Unternehmen zahlen für KI-Dienste

Während OpenAI und Anthropic um Anteile konkurrieren, wächst der Markt insgesamt. Im März bezahlten bereits mehr als die Hälfte der erfassten Ramp-Kunden für KI-Dienste. Bis Juli stieg der Anteil auf fast 56 %.

ZeitpunktAnteil der Ramp-Kunden mit KI-Ausgaben
MärzÜber 50 %
JuliFast 56 %

Das Wachstum verteilt sich jedoch nicht stabil auf einzelne Anbieter. Unternehmen wechseln offenbar schnell, wenn ein neues Modell bessere Ergebnisse liefert oder wirtschaftlicher erscheint. Eine langfristige Bindung an einen bestimmten Modellanbieter lässt sich aus den Zahlen nicht erkennen.

Modellwechsel sollten technisch eingeplant werden

Für IT-Verantwortliche ist weniger entscheidend, welcher Anbieter in einem einzelnen Quartal führt. Wichtiger ist eine Architektur, die einen Modellwechsel ohne Umbau der gesamten Anwendung ermöglicht. Eine Abstraktionsschicht kann Prompts, Berechtigungen, Protokollierung und Anbieterzugänge zentral verwalten.

KriteriumFeste AnbieterintegrationModulare KI-Architektur
ModellwechselHäufig mit Anpassungen verbundenÜber eine einheitliche Schnittstelle möglich
AnbieterabhängigkeitHochReduziert
EinführungsaufwandMeist geringerZusätzlicher Aufwand für Gateway und Tests
KostensteuerungAn einen Anbieter gebundenAnfragen können nach Preis und Leistung verteilt werden

Ein praktischer Ansatz ist Modell-Routing, bei dem Anfragen anhand definierter Regeln an unterschiedliche Modelle geleitet werden. Der Ramp Router für KI-Modelle ist ein Beispiel für diese Entwicklung. Alternativ lassen sich eigene oder offene Gateways betreiben, sofern der zusätzliche Betriebs- und Prüfaufwand wirtschaftlich vertretbar ist.

Die Ramp-Zahlen zeigen damit vor allem, wie begrenzt die Kundenbindung im Markt für KI-APIs und KI-Abos derzeit ist. Wer Anwendungen direkt an einen Anbieter koppelt, übernimmt dessen Preisänderungen, Speicherregeln und Modellstrategie. Eine modulare Eigenentwicklung kostet zunächst mehr Aufwand, schafft aber bessere Voraussetzungen, um auf den nächsten Leistungs- oder Preissprung zu reagieren.