OpenProject erweitert den MCP-Server
OpenProject 17.8 baut die Anbindung von KI-Assistenten deutlich aus. Über das Model Context Protocol, kurz MCP, können KI-Clients nicht mehr nur Projektdaten lesen und durchsuchen. Sie dürfen nun auch Arbeitspakete erstellen, bearbeiten und kommentieren sowie Beziehungen zwischen diesen verwalten.
MCP ist ein offener Standard, über den KI-Anwendungen auf Daten und Funktionen externer Systeme zugreifen. Für OpenProject bedeutet das den Schritt von einer reinen Auskunftsschnittstelle zu einer operativen Integration. Welche konkreten KI-Clients bereits getestet oder zertifiziert wurden, nennt das Unternehmen bislang nicht.
Der entscheidende Punkt ist nicht, dass KI Projektinformationen zusammenfassen kann. Relevant wird die Integration erst dann, wenn Assistenten kontrolliert Aufgaben anlegen, Zustände ändern und Kommentare dokumentieren dürfen.
Berechtigungen gelten auch für KI-Assistenten
Die MCP-Funktionen umgehen laut OpenProject keine bestehenden Schutzmechanismen. Für KI-Clients gelten dieselben Berechtigungen, Pflichtfelder und Validierungsregeln wie in der Weboberfläche und über die API. Das reduziert das Risiko, dass ein Assistent Aktionen ausführt, die dem zugehörigen Benutzerkonto nicht erlaubt sind.
Zusätzlich prüft OpenProject die Version eines Arbeitspakets vor einer Änderung. Wurde der Datensatz zwischenzeitlich von einem Menschen bearbeitet, soll der KI-Assistent diese Änderung nicht versehentlich überschreiben. Kommentare einschließlich Emoji-Reaktionen lassen sich abrufen, neue Kommentare können angelegt werden.
Auch benutzerdefinierte Felder werden erkannt und können mit Werten befüllt werden. Unternehmen sollten trotzdem eigene Freigabeprozesse und Protokollierungen vorsehen, bevor KI-Assistenten Schreibrechte in produktiven Projekten erhalten. Offene Schnittstellen beseitigen nicht die bekannten Risiken autonomer Aktionen, sie machen die Integration jedoch besser kontrollierbar.
Kompaktere Antworten für KI-Clients
Der MCP-Server liefert mit Version 17.8 zusätzliche Metadaten zur Seitennummerierung. Dazu gehören die Gesamtzahl der Treffer und die jeweilige Seitengröße. Mengenabfragen lassen sich dadurch zuverlässiger verarbeiten.
Gleichzeitig werden die Antworten gestrafft. Überflüssige Aktionslinks und zusätzliche HTML-Darstellungen von Beschreibungen oder Kommentaren entfallen. Das kann den Umfang der an ein Sprachmodell übertragenen Daten reduzieren und damit je nach Modell und Abrechnung auch den Tokenverbrauch begrenzen.
Die Weiterentwicklung passt zur MCP-Roadmap für KI-Agenten, die unter anderem effizientere und zuverlässigere Verbindungen zwischen Modellen und Anwendungen vorsieht.
Die wichtigsten Änderungen in OpenProject 17.8
| Bereich | Änderung | Relevanz für Unternehmen |
|---|---|---|
| MCP-Server | Arbeitspakete erstellen, bearbeiten und kommentieren | KI-Assistenten können operative Projektaufgaben übernehmen |
| Berechtigungen | Gleiche Regeln wie in Weboberfläche und API | Bestehende Rollen und Pflichtfelder bleiben wirksam |
| Änderungsschutz | Versionsprüfung vor dem Speichern | Parallel erfolgte Nutzeränderungen sollen nicht überschrieben werden |
| Release-Planung | Mehrere Zielversionen pro Arbeitspaket | Tickets können mehreren Releases zugeordnet werden |
| Zeiterfassung | Globale Regeln für die gesamte Instanz | Zentrale Grenzen und Buchungssperren werden möglich |
| Community Edition | Beziehungen als Tabellenspalten | Zusätzliche Transparenz ohne kostenpflichtige Edition |
Mehrfachzuordnung für Releases ist irreversibel
Eine größere Änderung betrifft die Release-Planung. Das bisherige Feld für eine einzelne Version wird durch das Feld "Zielversionen" ersetzt. Über die API lautet die Bezeichnung "targetVersions".
Ein Arbeitspaket kann damit beispielsweise gleichzeitig einem Wartungsrelease und einer späteren Hauptversion zugeordnet werden. In bestehenden Installationen muss ein Administrator die Funktion ausdrücklich aktivieren. Dieser Schritt lässt sich anschließend nicht rückgängig machen, bestehende Zuordnungen bleiben jedoch erhalten.
Vor der Umstellung sollten eigene Skripte und API-Integrationen geprüft werden. Anwendungen, die weiterhin ein einzelnes Versionsfeld erwarten, können nach der Aktivierung fehlerhafte Daten liefern oder Änderungen nicht mehr korrekt verarbeiten.
Globale Regeln für die Zeiterfassung
Administratoren können instanzweit neue Vorgaben für Zeiteinträge definieren. Möglich sind Höchstwerte pro Eintrag oder pro Nutzer und Tag. Buchungen lassen sich außerdem auf hinterlegte Arbeitszeiten begrenzen sowie an Feiertagen oder für abgeschlossene Monate sperren.
Nach dem Update sind diese Prüfungen zunächst deaktiviert. Die Regeln gelten immer für die gesamte Instanz. Einen bestätigten Zeitplan für projektbezogene Ausnahmen gibt es bislang nicht.
Verbesserungen für agile Teams und Community Edition
Im agilen Bereich führt OpenProject eine Massenbearbeitung für Zuordnungen zu Sprint- und Backlog-Bereichen ein. Änderungen erscheinen im Aktivitätsverlauf des jeweiligen Arbeitspakets. Karten können zudem per Drag-and-drop in externe Anwendungen gezogen werden, wobei je nach Zielanwendung ein Link zum Arbeitspaket entsteht.
Die Projektzeitleiste zeigt neben Projektphasen nun auch Meilensteine und Sprints. Sprints sind dort nur sichtbar und lassen sich nicht verschieben. Die kostenlose Community Edition kann Beziehungen zwischen Arbeitspaketen künftig als eigene Spalten in Tabellen darstellen.
Die Suche priorisiert exakte Kennungen, darunter Projektpräfixe und numerische IDs mit vorangestelltem #. Das bisherige "internal wiki" heißt nun "project wiki". Die Umbenennung soll das integrierte Wiki deutlicher von extern angebundenen Wiki-Systemen unterscheiden.
Offene KI-Schnittstelle statt geschlossenem SaaS-Stack
OpenProject wird besonders im DACH-Raum als selbst gehostete Alternative zu Atlassian Jira eingesetzt. Mit Version 17.8 lassen sich Projektmanagement, Datenhaltung und KI-Anbindung innerhalb einer kontrollierten Infrastruktur kombinieren. Das ist vor allem für Unternehmen und Behörden relevant, die Projektinformationen nicht vollständig an US-SaaS-Anbieter auslagern wollen.
Durch MCP bleibt die Wahl des KI-Assistenten grundsätzlich von der Projektmanagement-Plattform getrennt. Eigene Modelle und Agenten-Frameworks können angebunden werden, sofern sie die Schnittstelle unterstützen. Vergleichbare Ansätze zeigen das Open-Source-Agenten-Framework von DeepSeek und die lokal betreibbaren IBM Granite Modelle.
Damit verschiebt sich die Kostenfrage. Statt nur ein weiteres KI-Modul als Software-Abo zu buchen, können Unternehmen Infrastruktur, Modell und Betriebsform selbst auswählen. Dem stehen eigener Aufwand für Betrieb, Rechtekonzepte, Überwachung und Updates gegenüber.
OpenProject 17.8.0 wurde laut Veröffentlichungsangabe am 2. September 2026 bereitgestellt. Neben den neuen Funktionen enthält die Version zahlreiche Fehlerkorrekturen, unter anderem für Editoren, Dokumente, Meetings, Exporte, Wiki-Funktionen, Jira-Migrationen und Speicherintegrationen.

