Perplexity verlagert den kompletten KI-Agenten auf den Rechner
Perplexity bringt mit Portable Computer eine Local-first-Version seines KI-Agenten auf den Markt. Sprachmodell, Inferenz, Planer, Werkzeugsteuerung und Datei-Index laufen direkt auf lokaler Nvidia-Hardware. Inhalte müssen bei lokalen Aufgaben damit nicht standardmäßig an Cloud-Server übertragen werden.
Das System ist mehr als ein klassischer Chatbot. Ein KI-Agent plant mehrstufige Aufgaben, führt einzelne Arbeitsschritte aus und kann Werkzeuge oder Dateien einbeziehen. Portable Computer soll beispielsweise Projektordner analysieren, Code untersuchen, Dokumente zusammenfassen und lokale Datenbestände auswerten.
Portable Computer reduziert die Cloud-Abhängigkeit bei der Datenverarbeitung, beseitigt aber weder das Perplexity-Abo noch die Bindung an leistungsfähige Nvidia-Hardware.
Qwen und PPLX laufen lokal
Zum Start nutzt Perplexity die Modelle Qwen 3.8 27B und PPLX 27B. PPLX 27B ist eine für den eigenen Agenten-Stack nachtrainierte Variante von Qwen. Beide Modelle verfügen über 27 Milliarden Parameter.
Qwen gehört zu den Modellen mit offen verfügbaren Gewichten, die grundsätzlich auf eigener Hardware betrieben werden können. Wie sich ein vergleichbares Modell lokal verhält, zeigt auch die Analyse zu Qwen 3.8 27B im lokalen Betrieb. Für später hat Perplexity zusätzlich Nvidias Nemotron 3.5 Lightning angekündigt.
| Komponente | Angabe |
|---|---|
| Lokale Modelle | Qwen 3.8 27B und PPLX 27B |
| Modellgröße | Jeweils 27 Milliarden Parameter |
| Später geplant | Nvidia Nemotron 3.5 Lightning |
| Lokale Komponenten | Inferenz, Planer, Werkzeugsteuerung, Aufgabenwarteschlange und Datei-Index |
| Werkzeugausführung | Isolation in einer Sandbox vorgesehen |
Cloud-Zugriff nur nach Freigabe
Für Web-Recherchen, Browser-Aufgaben oder besonders komplexe Arbeitsschritte kann Portable Computer weiterhin Cloud-Dienste hinzuziehen. Laut Perplexity erfolgt das erst nach manueller Freigabe. Vor der Übertragung soll das System den vorgesehenen Kontext auf personenbezogene oder sensible Informationen prüfen und anzeigen, welche Inhalte den Rechner verlassen.
Das entfernte Modell soll nur die freigegebene Textanfrage erhalten. Ein direkter Zugriff auf lokale Dateien oder Werkzeuge ist dabei nicht vorgesehen. Unternehmen müssen dennoch prüfen, wie zuverlässig Freigaben, Datenfilter und Sandbox im praktischen Betrieb funktionieren.
Lokale Aufgaben kosten keine Credits, aber ein Abo
Rein lokal ausgeführte Aufgaben verbrauchen keine Perplexity-Credits. Kostenlos ist das System deshalb nicht. Portable Computer setzt weiterhin ein kostenpflichtiges Pro- oder Max-Abonnement voraus.
Warum Perplexity selbst für die lokale Ausführung ein laufendes Abo verlangt, ist nicht erläutert. Damit bleibt trotz eigener Rechenleistung eine kommerzielle Anbieter-Abhängigkeit bestehen. Der Ansatz unterscheidet sich deshalb von einer vollständig selbst betriebenen Lösung ohne laufende Lizenzbindung.
DGX Spark zum Start, RTX-PCs sollen folgen
Portable Computer startet exklusiv auf Nvidias DGX Spark. Die KI-Workstation kombiniert einen Grace-Blackwell-GB10-Chip mit 128 GB gemeinsam genutztem Speicher. Nvidia nennt eine unverbindliche Preisempfehlung von 4.700 US-Dollar.
Später sollen PCs mit RTX-Grafikkarten unterstützt werden. Dafür sind mindestens 24 GB VRAM, also Grafikspeicher, vorgesehen. Linux soll zuerst folgen, Windows danach. Konkrete Veröffentlichungstermine nennt Perplexity bislang nicht.
| Plattform | Anforderung oder Status |
|---|---|
| Nvidia DGX Spark | Startplattform mit GB10-Chip und 128 GB Unified Memory |
| UVP der DGX Spark | 4.700 US-Dollar |
| Künftige RTX-PCs | Mindestens 24 GB VRAM |
| Betriebssysteme | Zunächst Linux, anschließend Windows |
Die Hardware-Anforderungen begrenzen den Einsatz auf leistungsfähige Arbeitsplätze. Portable bedeutet hier vor allem, dass der Agenten-Stack im eigenen Umfeld betrieben werden kann. Für gewöhnliche Büro-PCs ist das Angebot vorerst nicht ausgelegt.
Eigene Benchmarks zeigen Grenzen
Perplexity hat Portable Computer mit 53 Aufgaben aus Recherche, Finanzanalyse und Dokumentenerstellung getestet. Qwen 3.8 27B erreichte dabei 82,6 %, PPLX 27B kam auf 85,4 %. Die Werte stammen ausschließlich aus internen Messungen und wurden bislang nicht unabhängig bestätigt.
| Modell | Ergebnis im Perplexity-Test |
|---|---|
| Qwen 3.8 27B | 82,6 % |
| PPLX 27B | 85,4 % |
Bei anspruchsvollen Programmieraufgaben bleibt die lokale Lösung nach Angaben des Unternehmens hinter großen Cloud-Modellen zurück. Das passt zu einem hybriden Betriebsmodell: Routineaufgaben und sensible Daten bleiben lokal, während besonders schwierige Teilschritte gezielt an die Cloud gehen. Auch Nvidias Nemotron Lightning mit Modell-Routing verfolgt die Idee, Rechenleistung differenzierter einzusetzen.
Datensouveränität gegen Hardware- und Abo-Kosten
Für Unternehmen im DACH-Raum ist der lokale Ansatz vor allem bei vertraulichem Code, internen Dokumenten und personenbezogenen Daten relevant. Bleibt eine Aufgabe vollständig lokal, sinkt das Risiko unnötiger Datenübertragungen an externe Cloud-Anbieter. Das kann Datenschutzkonzepte vereinfachen, ersetzt aber keine Prüfung der konkreten Verarbeitung und Zugriffsrechte.
Dem stehen Investitionen in geeignete Nvidia-Hardware, der interne Betriebsaufwand und das fortlaufende Perplexity-Abo gegenüber. Portable Computer zeigt damit eine mögliche Zwischenstufe zwischen reinem Cloud-SaaS und vollständig selbst gebauter KI-Infrastruktur. Die Datenverarbeitung wird lokaler, die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Anbieter bleibt jedoch bestehen.

