PostgreSQL 19 integriert Graphabfragen in SQL
PostgreSQL 19 soll standardisierte Abfragen auf sogenannten Property Graphs unterstützen. Die dafür vorgesehene Syntax SQL/PGQ ist seit 2023 Teil des offiziellen SQL-Standards. Die Veröffentlichung der neuen PostgreSQL-Version wird nach aktuellem Stand für Ende September oder Anfang Oktober 2026 erwartet.
Property Graphs bilden Daten als Knoten, Beziehungen und Eigenschaften ab. Dieses Modell eignet sich beispielsweise für Lieferketten, Betrugserkennung, Berechtigungsstrukturen, soziale Netzwerke und miteinander verknüpfte Unternehmensdaten.
Die wichtigste Änderung ist nicht nur eine zusätzliche Funktion. Graphabfragen werden direkt Teil der SQL-Syntax und müssen nicht mehr ausschließlich über externe Abstraktionsschichten nachgebildet werden.
SQL/PGQ reduziert den Bedarf an zusätzlichen Datenbanken
Graphfunktionen ließen sich in PostgreSQL bislang über Erweiterungen, objektrelationale Abbildungen oder individuell konstruierte SQL-Abfragen umsetzen. PostgreSQL 19 verankert die grundlegende Graphsyntax nun direkt in der Datenbank. SQL/PGQ steht für Property Graph Queries und beschreibt, wie Knoten und Beziehungen mit standardisiertem SQL durchsucht werden.
An der Umsetzung waren mehrere große PostgreSQL-Beiträger beteiligt. In die Entwicklung flossen auch Erfahrungen aus OpenCypher ein, einer offenen Abfragesprache für Graphdatenbanken. Gleichzeitig waren Entwickler beteiligt, die an der Weiterentwicklung des SQL-Standards arbeiten.
| Ansatz | Vorteil | Einschränkung |
|---|---|---|
| Klassisches relationales SQL | Etabliert, breit unterstützt und gut administrierbar | Mehrstufige Beziehungen können komplexe Abfragen erfordern |
| PostgreSQL 19 mit SQL/PGQ | Graphabfragen innerhalb der bestehenden PostgreSQL-Umgebung | Indizierung und einzelne Syntaxfunktionen müssen noch reifen |
| Spezialisierte Graphdatenbank | Auf stark vernetzte Daten und Traversierungen optimiert | Zusätzliches Datenbanksystem mit eigenen Betriebs- und Lizenzkosten |
Indizierung bleibt der entscheidende Engpass
Die erste Implementierung erzeugt Abfragen über Knoten und Kanten, um Graphmuster zu finden. Einige dieser Abfragen sollen bereits eine gute Leistung erreichen. Für anspruchsvolle Graphlasten fehlen jedoch noch optimierte Indexstrukturen und einzelne ergänzende Syntaxfunktionen.
Damit wird PostgreSQL 19 spezialisierte Graphdatenbanken nicht sofort in allen Szenarien ersetzen. Besonders bei großen Graphen, tiefen Beziehungsketten und häufigen Traversierungen bleibt ein Belastungstest mit realistischen Daten notwendig. Die PostgreSQL-Community dürfte die Leistung in den folgenden Versionen und über passende Index-Erweiterungen weiter verbessern.
Weniger Komplexität und geringere Anbieterabhängigkeit
Für Unternehmen ist vor allem die mögliche Konsolidierung relevant. Wenn relationale Daten und Graphabfragen in derselben PostgreSQL-Installation verarbeitet werden können, entfällt unter Umständen ein zusätzliches Datenbanksystem. Das reduziert Betriebsaufwand, Datenkopien, Schnittstellen und Schulungsbedarf.
Auch aus Sicht von Self-Hosting und Datensouveränität ist die Entwicklung interessant. PostgreSQL ist Open Source und kann im eigenen Rechenzentrum, bei europäischen Cloud-Anbietern oder als verwalteter Dienst betrieben werden. Graphfunktionen innerhalb dieser Plattform schaffen eine Alternative zu proprietären Graphdiensten mit nutzungsabhängigen Gebühren und enger Anbieterbindung.
Eine Migration allein wegen SQL/PGQ wäre dennoch verfrüht. Sinnvoll ist zunächst zu prüfen, ob vorhandene PostgreSQL-Daten mit Graphabfragen einen konkreten Mehrwert liefern. Bei neuen Projekten kann die integrierte Funktion dagegen verhindern, dass für einen begrenzten Graphanwendungsfall sofort ein weiteres dauerhaftes Software-Abo und ein zusätzlicher Technologie-Stack eingeführt werden.

