RAM-Knappheit verteuert Raspberry Pi 4 und Pi 5
Raspberry Pi erhöht erneut die Preise für zwei seiner Einplatinenrechner. Der Raspberry Pi 4 mit 2 GB Arbeitsspeicher kostet künftig 67,50 US-Dollar. Für den Raspberry Pi 5 mit gleicher Speicherausstattung werden 77,50 US-Dollar fällig.
Beide Varianten werden damit jeweils 12,50 US-Dollar teurer. Der Hersteller begründet den Schritt mit drastisch gestiegenen Einkaufspreisen für Arbeitsspeicher. Bei der vorherigen Preiserhöhung im April 2026 waren die Modelle mit 2 GB noch ausgenommen.
| Modell | Neuer Preis | Preiserhöhung |
|---|---|---|
| Raspberry Pi 4, 2 GB | 67,50 US-Dollar | 12,50 US-Dollar |
| Raspberry Pi 5, 2 GB | 77,50 US-Dollar | 12,50 US-Dollar |
Damit entfernt sich der Pi 4 deutlich von seinem ursprünglichen Einführungspreis von 35 US-Dollar. Während der Pandemie war dieser zunächst auf 45 US-Dollar gestiegen. Offizielle Euro-Preise europäischer Distributoren nach der jüngsten Erhöhung liegen bislang nicht vor.
Große Speichervarianten verlieren ihren Preisvorteil
Noch deutlicher fällt die Entwicklung bei umfangreicheren Konfigurationen aus. Ein Raspberry Pi 5 mit 16 GB wird bei PiShop für 305 US-Dollar angeboten. Zum Marktstart im Januar 2025 lag der Preis bei 120 US-Dollar.
Für Unternehmen im DACH-Raum verändert das die Kalkulation von IoT-Gateways, Monitoring-Systemen, Edge-Computing und lokalen Testumgebungen. Insbesondere bei größeren Stückzahlen lohnt sich ein neuer Vergleich mit industriellen Mini-PCs oder gebrauchter x86-Hardware. Der traditionell klare Kostenvorteil des Raspberry Pi ist bei speicherstarken Ausführungen nicht mehr selbstverständlich.
Vorerst unverändert bleiben die 1-GB-Varianten von Pi 4 und Pi 5 sowie die Compute Modules 4 und 5 mit 2 GB. Raspberry Pi empfiehlt außerdem, den tatsächlichen Speicherbedarf eines Projekts zu prüfen oder ältere Modelle wie Pi 3B, 3A+ und 3B+ in Betracht zu ziehen. Ob diese älteren Boards langfristig in ausreichender Menge verfügbar bleiben, ist allerdings offen.
Günstige Speicherbestände sind aufgebraucht
Die Geschäftszahlen zeigen, dass Raspberry Pi bislang noch von früher eingekauftem Arbeitsspeicher profitierte. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 90 % auf 256,9 Millionen US-Dollar. Der Bruttogewinn legte um 79 % auf 59,4 Millionen US-Dollar zu.
| Kennzahl | Wert im ersten Halbjahr | Veränderung |
|---|---|---|
| Umsatz | 256,9 Millionen US-Dollar | plus 90 % |
| Bruttogewinn | 59,4 Millionen US-Dollar | plus 79 % |
| Bruttogewinn pro Board | 12,20 US-Dollar | plus 53 % |
Zum Ergebnis trugen Speicherbestände bei, die noch 2025 zu niedrigeren Preisen beschafft worden waren. Dieser Vorteil ist nach Angaben des Unternehmens inzwischen weitgehend aufgebraucht. Neue Boards müssen deshalb stärker auf Basis der aktuellen Einkaufspreise kalkuliert werden.
Eben Upton, Chef von Raspberry Pi, sinngemäß übersetzt: Der Preis für Arbeitsspeicher werde irgendwann wieder sinken. Dann wolle das Unternehmen auch die eigenen Preiserhöhungen zurücknehmen.
RAM-Knappheit könnte bis mindestens 2028 dauern
Eine schnelle Entspannung ist derzeit nicht absehbar. Micron erwartet, dass die Knappheit bei Arbeitsspeicher bis mindestens 2028 anhalten könnte. Die Hintergründe und Folgen dieser Prognose zeigt auch die Analyse zur Speicherknappheit bis 2028.
Micron-CEO Sanjay Mehrotra, sinngemäß übersetzt: Es gebe derzeit keine klare Sicht darauf, wann Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht kommen.
Die Preisentwicklung betrifft damit nicht nur klassische PCs und Server. Auch günstige lokale Infrastruktur für Self-Hosting, Automatisierung und Edge-Anwendungen wird teurer. Am anderen Ende des Marktes zeigt der Nvidia DGX Spark mit 64 GB, welche Preise inzwischen für kompakte Systeme zur lokalen KI-Verarbeitung aufgerufen werden.
Verlöteter RAM begrenzt spätere Aufrüstung
Zusätzlich erschwert Raspberry Pi nachträgliche Hardware-Upgrades. Der Arbeitsspeicher ist verlötet, technisch versierte Anwender hatten dennoch Möglichkeiten zum Austausch untersucht. Nach Angaben des Raspberry-Pi-Entwicklers Phil Elwell bindet neuere Firmware die Geräte softwareseitig an ihre ursprüngliche RAM-Kapazität.
Für professionelle Projekte erhöht das den Planungsdruck. Wird der Speicher zu knapp bemessen, lässt sich das Board später nicht regulär erweitern. Eine größere Konfiguration muss daher früh gewählt werden, obwohl gerade diese Varianten besonders stark vom Preisanstieg betroffen sind.
Lokale Eigenlösungen bleiben eine Alternative zu laufenden Cloud- und SaaS-Kosten. Die Hardwarebasis ist jedoch nicht mehr automatisch günstig. Neben dem Kaufpreis gehören deshalb auch Ersatzteilverfügbarkeit, Stromverbrauch, Wartungsaufwand und fehlende Aufrüstbarkeit in die Gesamtkostenrechnung.

