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Tesco ersetzt VMware am Edge durch Proxmox

Tesco plant die Migration seiner Edge-Infrastruktur von VMware zu Proxmox und sucht dafür eine neue technische Leitung. Vorausgegangen sind ein Lizenzstreit und ein VMware-Angebot, das laut Tesco einer Preiserhöhung von 175 % entsprach.

Tesco ersetzt VMware am Edge durch ProxmoxBild: KI-generiert

Tesco migriert Filial-Infrastruktur zu Proxmox

Der britische Handelskonzern Tesco will seine Edge-Virtualisierung von VMware auf Proxmox umstellen. Edge Computing bezeichnet dabei die lokale Verarbeitung direkt in den Filialen, statt sämtliche Anwendungen ausschließlich in zentralen Rechenzentren oder der Cloud zu betreiben.

Belegt wird das Vorhaben durch eine Stellenausschreibung für die Position „Head of Software Engineering: Edge Platform“ in Bengaluru. Die gesuchte Führungskraft soll die technische Strategie und Umsetzung der Migration verantworten. Gleichzeitig soll eine softwaregestützte Plattform entstehen, über die Tesco seine dezentrale Infrastruktur bereitstellen, verwalten und überwachen kann.

Die Aufgabe umfasst laut Stellenausschreibung sinngemäß die Modernisierung der Edge-Virtualisierung durch die Migration von VMware zu Proxmox sowie den Aufbau einer robusten und skalierbaren Edge-Management-Plattform.

Für Tesco ist das ein betrieblicher Kernbereich. Die lokale Infrastruktur stellt die Rechenumgebung für Anwendungen in den Filialen bereit. Änderungen müssen deshalb auch bei unterbrochener Internetverbindung, begrenzten lokalen Ressourcen und einer großen Zahl verteilter Standorte kontrollierbar bleiben.

175 % Preiserhöhung im VMware-Streit

Die geplante Ablösung folgt auf einen Rechtsstreit zwischen Tesco und VMware. Im Zentrum stehen unbefristete Lizenzen und die Frage, welche Support- und Upgrade-Verpflichtungen daraus entstehen. Tesco behauptet, VMware habe während der Verhandlungen ein Angebot vorgelegt, das einer Preiserhöhung von 175 % entsprach.

Die juristische Auseinandersetzung ist noch nicht abgeschlossen. Weitere Verhandlungen werden voraussichtlich 2027 stattfinden. VMware betrachtet Tesco nach eigenen Angaben bislang nicht als vollständig verlorenen Kunden.

KennzahlAngabe
Tesco-Filialen weltweitüber 5.000
Von Tesco genannte Preiserhöhung175 %
Voraussichtliche Fortsetzung des Gerichtsverfahrens2027
Proxmox-Unternehmenssupport24/7 seit September

Welche Einsparungen Tesco durch Proxmox tatsächlich erzielt, ist nicht bekannt. Ebenso nennt der Konzern keinen Zeitplan für den Abschluss der Migration. Die Zahl von mehr als 5.000 Filialen beschreibt das weltweite Netz, bestätigt aber nicht, dass jeder einzelne Standort Teil des Proxmox-Rollouts wird.

Proxmox wird zur Enterprise-Alternative

Proxmox ist eine Open-Source-Virtualisierungsplattform eines österreichischen Anbieters. Sie kann virtuelle Maschinen und Container auf eigener Hardware betreiben und eignet sich damit für Self-Hosting, Edge-Systeme und klassische Serverkonsolidierung.

Ein bisher häufig genannter Einwand gegen Proxmox war der begrenzte Herstellersupport außerhalb österreichischer Geschäftszeiten. Seit September bietet das Unternehmen einen 24/7-Support für Unternehmenskunden an. Damit wird ein zentrales Hindernis für den Einsatz in international verteilten und geschäftskritischen Umgebungen kleiner.

Die Migration soll bei Tesco nicht nur den Hypervisor austauschen. Geplant ist eine API-gesteuerte Infrastruktur, über die sich Konfigurationen und Softwareänderungen über viele Standorte hinweg automatisiert ausrollen lassen. Das kann den Betriebsaufwand senken, setzt aber eine saubere Standardisierung, Tests und eigene Plattformkompetenz voraus.

Hyper-V für zentrale Systeme bleibt unbestätigt

Für zentrale Kern-Workloads wird auch Microsoft Hyper-V als mögliche Alternative genannt. Eine Entscheidung ist bislang nicht bestätigt. Sicher belegt ist nur die geplante Migration der Edge-Landschaft zu Proxmox.

Damit könnte bei Tesco eine geteilte Architektur entstehen, bei der unterschiedliche Virtualisierungsplattformen je nach Einsatzgebiet verwendet werden. Das reduziert die Abhängigkeit von einem einzelnen Hersteller, erhöht allerdings die technische und organisatorische Komplexität.

Lizenzrisiken betreffen auch den DACH-Raum

Der Fall ist für Unternehmen im DACH-Raum relevant, weil Proxmox aus Österreich stammt und als europäische Open-Source-Lösung auf eigener Infrastruktur betrieben werden kann. Ein Konzern mit tausenden Standorten betrachtet die Plattform offenbar als ausreichend belastbar für einen wichtigen Teil seiner Betriebsumgebung.

Das ist noch kein Beleg dafür, dass Proxmox jede VMware-Installation ersetzen kann. Komplexe Netzwerke, Speichersysteme, Automatisierungen und bestehende Betriebsprozesse müssen einzeln bewertet werden. Der Tesco-Fall zeigt aber, dass selbst große Edge-Landschaften nicht zwangsläufig an einen proprietären Virtualisierungsanbieter gebunden bleiben müssen.

Der wirtschaftliche Druck durch Lizenzmodelle ist kein Einzelfall. Auch Zwangs-Upgrades können einen erheblichen Teil des Softwarebudgets binden. Gleichzeitig zeigen Auseinandersetzungen wie der Streit um gebrauchte Microsoft-Softwarelizenzen, wie wichtig vertragliche Nutzungsrechte und langfristige Exit-Optionen geworden sind.

Parallel führt VMware einen weiteren Lizenzstreit mit mehreren Siemens-Gesellschaften. VMware wirft ihnen vor, mehr Software eingesetzt zu haben, als die vorhandenen Lizenzen erlaubten. Die deutsche Siemens AG ist inzwischen aus dem US-Verfahren ausgeschieden, während die verbleibenden Beklagten die Vorwürfe zurückweisen.

Open Source reduziert Abhängigkeit, nicht den Aufwand

Die Migration von VMware zu Proxmox beseitigt keine Betriebskosten. Hardware, Hochverfügbarkeit, Überwachung, Sicherheitsupdates und qualifiziertes Personal bleiben erforderlich. Hinzu kommen einmalige Kosten für Planung, Tests, Migration und Schulung.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Kontrolle über Plattform und Lizenzmodell. Open Source erleichtert den Anbieterwechsel, erlaubt Self-Hosting und reduziert das Risiko, dass ein Hersteller die wirtschaftlichen Bedingungen kurzfristig grundlegend verändert. Der neue 24/7-Support macht Proxmox dabei auch für Unternehmen interessanter, die eine klare Eskalationsstruktur und verbindliche Unterstützung benötigen.