VMware: 55 % der Unternehmen prüfen Alternativen

Gartner erwartet, dass bis 2029 rund 55 % der VMware-Unternehmenskunden konkrete Machbarkeitsstudien für alternative Plattformen starten. Steigende Lizenzkosten und unflexible Verhandlungen treiben die Suche, doch auch Nutanix, Microsoft, AWS und Proxmox bringen technische oder wirtschaftliche Nachteile mit.

VMware: 55 % der Unternehmen prüfen AlternativenBild: KI-generiert

VMware-Kunden bereiten den Plattformwechsel vor

Bis 2029 sollen 55 % der Unternehmen mit VMware-Installationen konkrete Machbarkeitsstudien für alternative Plattformen beginnen. Für 2026 liegt dieser Anteil laut Gartner noch bei 25 %. Gemeint ist damit nicht zwingend eine abgeschlossene Migration, sondern eine technisch und wirtschaftlich belastbare Prüfung möglicher Ersatzlösungen.

ZeitpunktAnteil der UnternehmenErwarteter Schritt
202625 %Prüfung alternativer Hybrid- und Virtualisierungsplattformen
202955 %Start konkreter Machbarkeitsstudien für einen VMware-Ersatz

Der Zeithorizont passt zu den üblichen Vertragszyklen. Viele Unternehmen haben rund um die Übernahme von VMware durch Broadcom mehrjährige Abonnements abgeschlossen. Wer 2026 erneut für drei Jahre verlängert, erreicht 2029 einen natürlichen Entscheidungspunkt für Wechsel, Teilmigration oder weitere Bindung.

Bis 2029 werden voraussichtlich 55 % der Unternehmen Machbarkeitsstudien für alternative verteilte Hybrid-Infrastrukturen starten, um VMware-basierte Installationen zu ersetzen, sinngemäß nach Gartner.

Kosten und Vertragsbedingungen erhöhen den Druck

Technisch bleibt VMware ein führender Anbieter. Gartner bewertet unter anderem die Virtualisierungstechnik, das Ökosystem für souveräne Cloud-Angebote und die für KI-Arbeitslasten ausgelegte Infrastruktur positiv. Die Kritik konzentriert sich vor allem auf Kommunikation, Geschäftspraktiken und Verzögerungen beim Support.

Besonders relevant ist die Umstellung auf Abonnements pro Prozessorkern. Unternehmen berichten von erheblichen Kostensteigerungen und geringem Verhandlungsspielraum. Damit wird eine bislang rein technische Infrastrukturentscheidung zunehmend zu einer Frage von Budget, Beschaffung und Anbieterabhängigkeit.

Die Risiken einer langfristigen Bindung zeigen sich auch an kleineren Änderungen im Ökosystem. So erschwerte Broadcom mit dem Entfernen öffentlicher VDDK-Downloads den Zugriff auf wichtige Werkzeuge für Sicherung und Migration. Auch die Warnung vor einem möglichen VMware-KI-Lock-in durch Broadcom unterstreicht, dass Wechselkosten nicht nur aus Lizenzen bestehen.

Die Alternativen haben eigene Schwächen

Ein VMware-Ausstieg führt nicht automatisch zu einer günstigeren oder einfacheren Infrastruktur. Gartner ordnet VMware weiterhin gemeinsam mit AWS, Nutanix, Microsoft und Oracle als führenden Anbieter für verteilte Hybrid-Infrastrukturen ein. Darunter versteht man Plattformen, die Rechenzentrum, Cloud und verteilte Standorte gemeinsam verwalten.

PlattformStärkeGenannter Nachteil
VMwareReife Virtualisierung und breites ÖkosystemHohe Kosten, wenig Vertragsflexibilität und Supportkritik
NutanixIntegrierte Hybrid-InfrastrukturKomplexe Lizenzen und teilweise höhere Preise als erwartet
AWSBreites Cloud-Angebot und lokale ErweiterungenLokale Zonen können 15 % bis 35 % über den Preisen der zugehörigen Region liegen
MicrosoftIntegration mit Windows Server und AzureMehrere getrennte Verwaltungsoberflächen für den laufenden Betrieb
ProxmoxOpen Source und gute Kontrolle über die eigene UmgebungBegrenztere Freigaben für kritische Unternehmensanwendungen und kleineres Supportnetz
HPEEigene Infrastrukturprodukte und UnternehmenskundenbasisNoch fehlende Funktionen und geringe Markthistorie in diesem Segment

Proxmox ist insbesondere für mittelgroße Installationen und Self-Hosting interessant. Open Source reduziert Lizenzabhängigkeiten, ersetzt aber keine Betriebsorganisation. Entscheidend bleiben verfügbare Fachkräfte, Herstellerfreigaben, Backup-Kompatibilität und ein verlässlicher Support rund um die Uhr.

Ein Wechsel braucht mehrere Jahre Vorlauf

Für Unternehmen im DACH-Raum kommen regulatorische und organisatorische Fragen hinzu. Datenstandorte, Auftragsverarbeitung, Wiederanlaufpläne und die Kontrolle administrativer Zugänge müssen bei Cloud- und On-Premises-Angeboten getrennt bewertet werden. Eine reine Gegenüberstellung der Lizenzpreise greift deshalb zu kurz.

Vor einer Entscheidung sollte zunächst erfasst werden, welche Anwendungen tatsächlich von VMware-spezifischen Funktionen abhängen. Danach lassen sich standardisierte Arbeitslasten, kritische Systeme und Sonderfälle getrennt behandeln. Ein schrittweiser Parallelbetrieb senkt das Migrationsrisiko, verursacht aber vorübergehend doppelte Lizenz-, Infrastruktur- und Personalkosten.

Die Prognose für 2029 ist deshalb weniger als kurzfristige Abwanderungswelle zu verstehen. Sie zeigt vielmehr, dass VMware für viele Unternehmen nicht mehr als automatisch gesetzter Standard gilt. Wer bis zum nächsten Vertragsende belastbare Optionen haben will, muss Tests, Kostenmodelle und Betriebsprozesse deutlich früher vorbereiten.