Workday plant Verbrauchsgebühren für KI-Agenten

Workday will KI-Agenten künftig nach Nutzung abrechnen und damit neben IT-Etats auch Personal- und Outsourcing-Budgets adressieren. Für Unternehmen steigen dadurch Automatisierungspotenzial und Kostenrisiko zugleich, während konkrete Preise und der Einführungstermin offenbleiben.

Workday plant Verbrauchsgebühren für KI-AgentenBild: KI-generiert

Workday zielt auf Personal- und Outsourcing-Budgets

Workday will sein Geschäftsmodell für KI-Agenten von klassischen Nutzerlizenzen entkoppeln. Statt allein pro lizenziertem Mitarbeiter abzurechnen, sollen die Gebühren künftig mit der tatsächlichen Nutzung der Agenten steigen.

Damit erweitert der Anbieter seinen adressierbaren Markt. Automatisieren die Agenten Aufgaben aus Personalwesen und Finanzverwaltung, konkurriert Workday nicht mehr nur um IT-Budgets. Das Unternehmen will auch an Ausgaben teilhaben, die Kunden bislang für Personal und externe Dienstleister aufwenden.

Die Automatisierung von HR-Aufgaben könne den Markt über Software-Budgets hinaus auf Ausgaben für Personal und Dienstleistungen erweitern, erklärte Chief AI Officer Joel Hellermark sinngemäß.

Nach Angaben von Hellermark geben Kunden teilweise zweistellige Millionenbeträge in US-Dollar für Outsourcing aus. Genau diese Kostenbasis will Workday mit seinen Agenten adressieren.

Vom Nutzer-Abo zur laufenden Verbrauchsrechnung

Das bisherige Per-Seat-Modell koppelt den Umsatz vor allem an die Zahl lizenzierter Nutzer. Das wird für SaaS-Anbieter zum Problem, wenn Automatisierung den Personalbedarf senkt oder Unternehmen weniger Benutzerkonten benötigen.

Verbrauchsabhängige Abrechnung verschiebt diese Logik. Einnahmen wachsen dann mit ausgeführten Aufgaben, Datenzugriffen oder anderen noch festzulegenden Nutzungsmetriken. Welche Einheit Workday konkret abrechnen will, ist bislang nicht bekannt.

PunktBekannter Stand
AbrechnungsmodellGeplanter Wechsel von reinen Nutzerlizenzen zu verbrauchsabhängigen Gebühren für KI-Agenten
Konkrete PreiseNicht veröffentlicht
AbrechnungsmetrikNoch nicht genannt
Verbindlicher StartterminUnklar
Lösungsquote bei RoutineaufgabenLaut Workday um 25 % gestiegen
Adressierte Outsourcing-AusgabenTeilweise zweistellige Millionenbeträge in US-Dollar pro Kunde

CEO Aneel Bhusri bezeichnete das Modell sinngemäß als Schwungrad, das nach dem Anlaufen stark wachse und einem personenbasierten Abonnement überlegen sei. Als Vorbild dienen erkennbar die großen Cloud-Plattformen, deren Rechnungen ebenfalls mit dem Verbrauch steigen.

Workday folgt damit einem Muster, das auch bei Microsoft Copilot mit zusätzlichen Verbrauchsgebühren sichtbar wird. Zum festen Software-Abo kommt eine variable Kostenkomponente hinzu. Für Anbieter ist das attraktiv, für Kunden wird die Kalkulation schwieriger.

Agenten erhalten direkten Zugriff auf HR und Finanzen

Parallel zur neuen Preislogik erweitert Workday den sogenannten Headless-Zugriff. Dabei greifen KI-Agenten direkt auf Funktionen und Daten zu, ohne dass ein Mitarbeiter die Bedienoberfläche der Anwendung durchlaufen muss.

Die Anbindung erfolgt unter anderem über das Model Context Protocol, kurz MCP. Das Protokoll stellt KI-Systemen standardisierte Werkzeuge für Datenzugriffe und Aktionen bereit. Workday zufolge gelten dabei die vorhandenen Berechtigungen, Freigaben und Prüfprotokolle.

Solche Schnittstellen erhöhen allerdings die sicherheitstechnischen Anforderungen. Wie schnell falsch konfigurierte Werkzeuge oder unzureichend geschützte Verbindungen zum Risiko werden können, zeigen bekannte Sicherheitslücken bei internen MCP-Agenten.

Die Workday Data Cloud soll operative und historische Daten außerdem mit Plattformen wie Databricks, Salesforce und Snowflake austauschen können. Als Speicherformat nutzt sie Apache Iceberg, ein offenes Tabellenformat für große Datenbestände. Das erleichtert grundsätzlich die technische Integration und reduziert die Abhängigkeit von proprietären Datenformaten.

25 % höhere Lösungsquote laut Workday

Workday gibt an, dass Self-Service-Agenten die Lösungsquote bei häufigen Routineanfragen um 25 % erhöht hätten. Details zur Messmethode oder zur Übertragbarkeit auf unterschiedliche Kundenumgebungen wurden nicht genannt. Die Zahl ist deshalb als Herstellerangabe einzuordnen.

Auch intern will Workday mit KI wachsen, ohne die Beschäftigtenzahl proportional zu erhöhen. Bhusri zentralisierte nach seiner Rückkehr als CEO die Zuständigkeit für KI und Programmierschnittstellen. Zuvor waren diese Aufgaben auf mehrere Anwendungsteams verteilt, was die Entwicklung nach seiner Einschätzung verlangsamte.

Für DACH-Unternehmen wird die Kostenkontrolle zentral

Workday kommt im DACH-Raum vor allem bei größeren Mittelständlern und Konzernen zum Einsatz. Für diese Unternehmen kann eine variable Agentenrechnung die Budgetplanung deutlich erschweren. Automatisierte Prozesse laufen kontinuierlich und können bei fehlenden Limits schnell mehr Aktivitäten erzeugen als erwartet.

Erforderlich sind deshalb technische und kaufmännische Leitplanken. Dazu zählen Nutzungslimits, Freigaben für kostenintensive Aktionen, getrennte Budgets je Fachbereich und eine laufende Auswertung der Agentenkosten. Ohne solche Kontrollen droht ein ähnlicher Effekt wie bei ungebremstem Cloud-Verbrauch.

Hinzu kommen Datenschutz und Mitbestimmung. Direkte Agentenzugriffe auf Personal-, Gehalts- und Finanzdaten berühren die DSGVO, den Beschäftigtendatenschutz und je nach Einsatz den Betriebsrat. Wie Workday die rechtliche Absicherung der Headless-Verarbeitung über MCP im Detail gestaltet, ist noch offen.

Offene Schnittstellen schaffen eine Alternative

Workdays Strategie zeigt, warum SaaS-Anbieter nach neuen Erlösquellen suchen. Wenn KI den Bedarf an Mitarbeitern und damit an Nutzerlizenzen reduziert, soll der Verbrauch der Agenten das Wachstum übernehmen. Für Kunden entsteht dabei eine Kombination aus schwer planbaren Kosten und wachsender Bindung an die Automatisierungslogik des Anbieters.

MCP und Apache Iceberg eröffnen zugleich einen anderen Weg. Unternehmen können prüfen, ob intern betriebene KI-Agenten auf kontrollierten Datenbeständen langfristig günstiger und besser steuerbar sind. Das gilt besonders für sensible HR-Daten oder Umgebungen mit strikten Vorgaben, wie sie auch bei KI-Agenten im abgeschotteten Air-Gap-Betrieb diskutiert werden.

Eine Eigenlösung ist nicht automatisch kostengünstiger. Betrieb, Sicherheit, Modellpflege und Prozessintegration verursachen eigenen Aufwand. Der Vergleich sollte deshalb nicht nur Lizenzpreise betrachten, sondern die Gesamtkosten pro automatisiertem Vorgang, die Datenkontrolle und die Möglichkeit eines späteren Anbieterwechsels.