Anthropic: 45 Milliarden Dollar für Rechenleistung

Anthropic mietet für 45 Milliarden US-Dollar Rechenkapazität beim britischen Anbieter Nscale. Der sechsjährige Vertrag startet Ende 2027 und vertieft die Abhängigkeit von externer KI-Infrastruktur in den USA.

Anthropic: 45 Milliarden Dollar für RechenleistungBild: KI-generiert

Anthropic schließt Großvertrag mit Nscale

Anthropic hat mit dem britischen Infrastrukturunternehmen Nscale einen Vertrag über rund 45 Milliarden US-Dollar geschlossen. Dafür erhält der KI-Anbieter über sechs Jahre Rechenkapazität aus einem Rechenzentrum im US-Bundesstaat West Virginia. Die Bereitstellung soll Ende 2027 beginnen.

Nscale wurde erst 2024 gegründet. Die geplante Infrastruktur basiert auf Nvidias Vera-Rubin-System, das sechs unterschiedliche Chips zu einer gemeinsamen Plattform verbindet. Anthropic will damit die Kapazität für Training und Inferenz, also den laufenden Betrieb seiner Modelle, weiter ausbauen.

Der Vertrag bindet Anthropic für sechs Jahre an Infrastruktur, die erst ab Ende 2027 verfügbar sein soll.

Serie milliardenschwerer Infrastrukturverträge

Die Vereinbarung mit Nscale ist kein Einzelprojekt. Anthropic hat seine langfristig zugesicherte Rechenkapazität innerhalb weniger Monate deutlich ausgeweitet. Dazu gehören Verträge mit jungen Infrastrukturunternehmen ebenso wie Kooperationen mit etablierten Chip- und Cloud-Anbietern.

PartnerVolumen oder KapazitätLaufzeit oder BeginnStandort oder Grundlage
Nscale45 Milliarden US-DollarSechs Jahre, Start Ende 2027West Virginia, Nvidia Vera Rubin
Volta10 Milliarden US-DollarSechs JahreRechenzentrum in Norwegen
AMD5 Milliarden US-DollarVereinbarung im JuliKeine weiteren Angaben
SpaceXRund 1,25 Milliarden US-Dollar Kapazität pro MonatSeit MaiZwei Rechenzentren
AmazonZusätzliche 5 GigawattErweiterung im AprilCloud-Infrastruktur

Bereits der 10-Milliarden-Dollar-Vertrag mit Volta hatte gezeigt, wie aggressiv Anthropic Kapazitäten reserviert. Parallel wurden im April auch die Beziehungen zu Google und Broadcom erweitert. Finanzielle Details dazu sind nicht bekannt.

Zusätzlich arbeitet Anthropic an mehr Kontrolle über die technische Basis. Das Unternehmen baut dafür ein eigenes Team für Chipdesign auf. Kurzfristig bleibt es dennoch auf externe Rechenzentren, Chipanbieter und Cloud-Plattformen angewiesen.

Hoher Refinanzierungsdruck auf Claude und APIs

Wie Anthropic diese langfristigen Verpflichtungen konkret finanziert, ist bislang nicht offengelegt. Klar ist jedoch, dass Rechenzentren, Energie und spezialisierte KI-Chips erhebliche laufende Kosten verursachen. Solche Verpflichtungen erhöhen den Druck, ausreichend Umsatz über APIs, Unternehmenskunden und Software-Abos zu erzielen.

Für IT-Verantwortliche ist deshalb nicht nur der aktuelle Token-Preis relevant. Entscheidend sind auch Preisänderungen, Nutzungslimits und die Abhängigkeit von einem einzelnen Modellanbieter. Wie schnell steigende Nutzung die Inferenzkosten von KI-Agenten wachsen lassen kann, wird besonders bei automatisierten Prozessen sichtbar.

Datenschutzbedingungen für Europa bleiben offen

Für Unternehmen im DACH-Raum hat der Vertrag keinen direkten regionalen Bezug. Die Kapazität soll jedoch in einem US-Rechenzentrum bereitgestellt werden. Welche Datenschutz-, Zugangs- und Speicherbedingungen später für europäische Kunden gelten, ist bislang nicht beschrieben.

Bei sensiblen Unternehmensdaten bleiben deshalb Vertragsprüfung, Datenklassifizierung und technische Zugriffskontrollen erforderlich. Der Standort Norwegen bei Volta kann andere Voraussetzungen bieten, konkrete Bedingungen für europäische Kunden wurden aber auch dort nicht genannt. Aus dem Standort allein lässt sich keine DSGVO-Konformität ableiten.

Lokale Modelle werden zur strategischen Absicherung

Die Größenordnung des Nscale-Vertrags zeigt, wie kapitalintensiv proprietäre Spitzenmodelle geworden sind. Wer zentrale Prozesse vollständig an solche Dienste bindet, übernimmt neben technischen Vorteilen auch deren Preisstruktur und Infrastrukturabhängigkeiten. Ein kurzfristiger Anbieterwechsel kann schwierig werden, wenn Anwendungen eng an Modelle, APIs und Werkzeuge gekoppelt sind.

Open-Source-Modelle sowie On-Premises-Betrieb, also Hosting in eigener Infrastruktur, ersetzen nicht automatisch jedes Frontier-Modell. Sie können aber für klar abgegrenzte Aufgaben Kosten planbarer machen und sensible Daten unter eigener Kontrolle halten. Lokale Reasoning-Modelle wie IBM Granite 4.2 zeigen, dass dafür zunehmend praxistaugliche Optionen entstehen.