Anthropic Mythos findet kritische Rejetto-HFS-Lücke

Anthropics Sicherheitsmodell Mythos hat eine kritische Schwachstelle im Open-Source-Dateiserver Rejetto HFS aufgedeckt. Bereits einen Tag nach der Meldung wurden erste Angriffsversuche registriert, Betreiber sollten deshalb umgehend auf Version 3.2.1 oder höher aktualisieren.

Anthropic Mythos findet kritische Rejetto-HFS-LückeBild: KI-generiert

Mythos entdeckt Authentifizierungslücke in Rejetto HFS

Das spezialisierte Anthropic-Modell Mythos hat eine kritische Schwachstelle im Rejetto HTTP File Server aufgedeckt. Der Open-Source-Dateiserver lässt sich über die als CVE-2026-61500 registrierte Lücke ohne gültige Anmeldung übernehmen.

Ein erfolgreicher Angriff ermöglicht vollen Administratorzugriff und Remote Code Execution. Damit ist die Ausführung beliebigen Codes aus der Ferne gemeint. Entdeckt wurde das Problem von Zach Hanley von Horizon3, der Mythos für die Analyse einsetzte.

Für Betreiber von Rejetto HFS ist das Update auf Version 3.2.1 oder höher dringend. Diese Version behebt die Schwachstelle.

MerkmalAngabe
SchwachstelleCVE-2026-61500
AuswirkungUmgehung der Anmeldung, Administratorzugriff und Codeausführung aus der Ferne
FehlerbereinigungRejetto HFS 3.2.1 oder höher
Beobachtete AngriffsversucheErste Aktivität einen Tag nach der Meldung, vier weitere Treffer am folgenden Freitag
Project Glasswing286 aufgedeckte CVEs, davon bislang zwei in realen Angriffen ausgenutzt

Mehrere unsichere Komponenten ergaben eine Angriffskette

Die Schwachstelle steckt in der Erzeugung und Signierung von Sitzungscookies. HFS erzeugte einen Zufallswert mit Math.random() und übergab ihn an das Node.js-Framework Koa. Dessen Komponente Keygrip nutzte diesen Wert anschließend zur Signierung der Cookies.

Das zugrunde liegende V8-Verfahren xorshift128+ ist jedoch kein kryptografisch sicherer Pseudozufallszahlengenerator. Gleichzeitig gab die Anwendung über einen anderen Codepfad rohe Ausgaben von Math.random() preis. Aus diesen Beobachtungen ließ sich der interne Zustand des Generators rekonstruieren.

Mythos erkannte nicht nur beide Schwächen, sondern verband sie zu einer praktisch nutzbaren Angriffskette. Das Modell schlug außerdem Z3 von Microsoft vor. Dieser sogenannte SMT-Solver löst mathematische Bedingungen formal und konnte hier zur Wiederherstellung des Ausgangszustands verwendet werden.

Das Beeindruckende sei, dass Mythos den unsicheren Zufallszahlengenerator nicht isoliert markiert habe. Das Modell habe zugleich das Datenleck erkannt und festgestellt, dass die ausgegebenen Werte für eine Wiederherstellung des internen Zustands ausreichen, erklärte Hanley sinngemäß.

Mit dem rekonstruierten Schlüssel können Angreifer gültig wirkende Sitzungscookies erzeugen. Dadurch lässt sich die Anmeldung umgehen. Hanley veröffentlichte zusätzlich eine technische Demonstration des Angriffswegs.

Erste Angriffe folgten innerhalb eines Tages

Bereits am Tag nach der Meldung registrierte VulnCheck erste Versuche, die Schwachstelle auszunutzen. Die anfängliche Aktivität kam von einer in China gehosteten IP-Adresse und richtete sich gegen verwundbare Systeme in den USA und Japan.

Man habe am Abend mit der Erkennung von Angriffen auf CVE-2026-61500 begonnen. Die Überwachungssysteme hätten dabei einen Akteur mit Infrastruktur in China gesehen, der reale verwundbare Hosts in den USA angriff, erklärte Sicherheitsforscher Patrick Garrity sinngemäß.

Am folgenden Freitag wurden vier weitere Versuche beobachtet. Sie liefen über die US-IP-Adressen 173.239.211.248 und 173.239.211.249, die offenbar als Proxies dienten. Der Standort einer IP-Adresse erlaubt deshalb keinen verlässlichen Rückschluss auf Herkunft oder Identität der Angreifer.

Wie viele HFS-Systeme weltweit oder im DACH-Raum produktiv eingesetzt werden, ist nicht bekannt. Ebenso gibt es keine belastbare Zahl tatsächlich kompromittierter Installationen.

Anthropic hält Mythos unter Verschluss

Mythos ist nicht allgemein verfügbar. Anthropic gewährt nur ausgewählten Partnern im Rahmen des im April gestarteten Project Glasswing Zugriff. Horizon3 nimmt seit Juli an dem Programm teil.

Über Mythos und Project Glasswing wurden bislang 286 CVE-Schwachstellen aufgedeckt. CVE-2026-61500 ist die zweite Schwachstelle aus diesem Programm, für die eine Ausnutzung in realen Angriffen beobachtet wurde. Ob Anthropic das Modell später über eine API oder für weitere Sicherheitsfirmen öffnet, ist nicht bestätigt.

Der Einsatz leistungsfähiger Anthropic-Modelle für Sicherheitsanalysen ist kein Einzelfall. Auch Claude Opus 5 wurde bereits zur Aufdeckung komplexer Sicherheitslücken eingesetzt. Der Unterschied liegt hier im spezialisierten und kontrollierten Zugang zu Mythos.

Self-Hosting braucht kurze und verlässliche Patch-Zyklen

Der Vorfall zeigt die Stärken KI-gestützter Sicherheitsanalysen. Komplexe Fehlerketten, die sich über Zufallszahlengeneratoren, Frameworks und Cookie-Signaturen erstrecken, lassen sich schneller erkennen. Dieselben Fähigkeiten und veröffentlichte Angriffsbeschreibungen verkürzen jedoch auch das Zeitfenster bis zu automatisierten Ausnutzungsversuchen.

Für Unternehmen im DACH-Raum bedeutet das zunächst, vorhandene Rejetto-HFS-Instanzen zu inventarisieren und unverzüglich zu aktualisieren. Versionsüberwachung, automatisierte Sicherheitsmeldungen und klar definierte Verantwortlichkeiten gehören bei öffentlich erreichbaren Self-Hosting-Systemen zum laufenden Betriebsaufwand.

Open Source und Eigenbetrieb reduzieren Abhängigkeiten von SaaS-Anbietern, übertragen aber Patch-Management und Absicherung auf den Betreiber. Wie gravierend fehlende Aktualisierungen werden können, zeigte auch der Fall der Zammad-Zero-Days mit Root-Zugriff durch einen KI-Agenten.

Rejetto HFS ist damit kein Argument gegen Self-Hosting. Der Fall macht vielmehr deutlich, dass eigene Software nur dann eine belastbare Alternative zu Abonnements ist, wenn Updates schnell getestet und ausgerollt werden können. Ein Patch-Zyklus von mehreren Wochen passt nicht mehr zu einem Umfeld, in dem erste Angriffe bereits nach einem Tag beginnen.