HiddenLayer sammelt 100 Millionen US-Dollar ein
Das KI-Sicherheitsunternehmen HiddenLayer hat eine Series-B-Finanzierung über 100 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Angeführt wurde die Runde von Delta-v Capital. Beteiligt sind unter anderem Microsoft M12, Morgan Stanley und Booz Allen Hamilton.
Bereits vor drei Jahren hatte HiddenLayer in einer Series A 50 Millionen US-Dollar erhalten. Seitdem hat sich der Markt deutlich verändert. Unternehmen setzen generative KI und KI-Agenten produktiv ein und benötigen Schutzmechanismen, die über klassische IT-Sicherheit hinausgehen.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Series B | 100 Millionen US-Dollar |
| Series A vor drei Jahren | 50 Millionen US-Dollar |
| ARR-Wachstum im vergangenen Jahr | Mehr als Faktor 10 |
| Anteil neuer Kunden am Umsatzwachstum | Über 90 % |
| Unterstützte KI-Dateiframeworks | Rund 50 |
Der jährlich wiederkehrende Umsatz, kurz ARR, ist laut HiddenLayer im vergangenen Jahr um mehr als das Zehnfache gestiegen. Eine exakte Summe nennt das Unternehmen nicht. Der ARR liegt demnach inzwischen im zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich, wobei mehr als 90 % des Wachstums aus neuen Kundenverträgen stammen.
Schutz für Modelle, Agenten und deren Werkzeuge
HiddenLayer bietet Funktionen für die Erkennung eingesetzter Modelle, den Schutz während des laufenden Betriebs, Angriffssimulationen und die Absicherung der Software-Lieferkette. Das Angebot wurde um Schutz vor Prompt Injections, Manipulationen von Agenten und bösartiger Tool-Nutzung erweitert.
Prompt Injections sind manipulierte Eingaben, die ein KI-System zu unerwünschten Aktionen bewegen sollen. Das Risiko steigt, sobald Agenten nicht nur Texte erzeugen, sondern Dateien öffnen, externe Dienste aufrufen oder Aktionen in Unternehmenssystemen ausführen. Wie konkret solche Angriffe werden können, zeigt eine Schwachstelle, bei der eine Website Schadcode in Claude Code einschleusen konnte.
Sinngemäß erklärt HiddenLayer-CEO Chris Sestito: Inferenz bleibe Inferenz, unabhängig davon, ob ein traditionelles Machine-Learning-Modell, generative KI oder ein agentischer Arbeitsablauf eingesetzt werde. HiddenLayer habe sein Geschäftsmodell deshalb nicht grundlegend ändern müssen, sondern den Schutzumfang auf GenAI und Agenten erweitert.
Zu den Kunden gehören Finanzdienstleister, große Technologiekonzerne, das US-Verteidigungsministerium und US-Nachrichtendienste. Zudem nennt HiddenLayer einen führenden Modellentwickler mit mehr als 700 Millionen wöchentlichen Nutzern, ohne dessen Namen offenzulegen.
Open-Weight-Modelle schaffen neue Angriffsflächen
Ein Schwerpunkt liegt auf der Prüfung von Open-Source- und Open-Weight-Modellen. Bei Open-Weight-Modellen sind die trainierten Modellgewichte verfügbar, ohne dass zwangsläufig der gesamte Entwicklungsprozess offengelegt wird. HiddenLayer analysiert nach eigenen Angaben rund 50 KI-Dateiformate und Frameworks auf Manipulationen, versteckten Schadcode und Modelle, deren tatsächlicher Inhalt nicht zur Beschreibung passt.
Sinngemäß sagt Sestito, das System prüfe, ob ein Modell tatsächlich das sei, wofür es ausgegeben werde. Gesucht werde unter anderem nach versteckten Modellen innerhalb anderer Modelle.
Damit rückt die Lieferkette für KI-Systeme in den Fokus. Modelle, Erweiterungen und Werkzeuge werden häufig aus öffentlichen Verzeichnissen übernommen und anschließend automatisiert eingebunden. Vergleichbare Risiken zeigen sich, wenn Coding-Agenten ungeprüften Fremdcode aus llms.txt installieren.
Self-Hosting und offene Modelle erhöhen die Datenkontrolle und reduzieren die Abhängigkeit von einzelnen API-Anbietern. Gleichzeitig verlagert sich die Verantwortung für Herkunft, Integrität und Laufzeitverhalten auf das betreibende Unternehmen. Ein lokal betriebenes Modell ist deshalb nicht automatisch sicherer als ein Cloud-Dienst.
Ausgaben für KI-Sicherheit wachsen stark
Der Markt für spezialisierte Schutzsysteme wächst parallel zum Einsatz von KI. Gartner erwartet für 2026 weltweite Unternehmensausgaben von 2,83 Milliarden US-Dollar für KI-Sicherheitssoftware. Das wären 83 % mehr als 2025. Für 2027 werden fast 4,78 Milliarden US-Dollar prognostiziert.
| Jahr | Weltweite Ausgaben für KI-Sicherheitssoftware | Veränderung |
|---|---|---|
| 2026 | 2,83 Milliarden US-Dollar | +83 % gegenüber 2025 |
| 2027 | Fast 4,78 Milliarden US-Dollar | Nicht beziffert |
Der Bedarf ist nachvollziehbar. KI-Agenten erhalten zunehmend weitreichende Berechtigungen und können Fehler mit hoher Geschwindigkeit über mehrere Systeme hinweg verbreiten. Dass agentische Systeme bereits reale Sicherheitsbarrieren überwinden können, zeigt auch ein Fall, bei dem KI-Agenten ein Firmennetz in weniger als zehn Stunden kompromittierten.
Europa-Expansion trifft auf regulierte Märkte
HiddenLayer will einen Teil des neuen Kapitals für Vertrieb, Entwicklung und Forschung einsetzen. Zudem ist eine Expansion nach Europa und in die EMEA-Region geplant. Einen konkreten Zeitplan oder einzelne Zielländer nennt das Unternehmen bislang nicht.
Für Unternehmen im DACH-Raum ist das besonders in regulierten Branchen relevant. Wer eigene KI-Agenten oder selbst gehostete Modelle produktiv betreibt, muss technische Schutzmaßnahmen, Zugriffsrechte, Protokollierung und Prüfprozesse zusammenführen. Dabei geht es nicht nur um Compliance, sondern auch um die Begrenzung operativer Schäden.
Rund um diese Anforderungen entsteht allerdings die nächste Schicht spezialisierter Software. Unternehmen müssen deshalb abwägen, ob sie eine externe Sicherheitsplattform einkaufen oder Kontrollen direkt in ihre eigenen Modell-, Entwicklungs- und Bereitstellungspipelines integrieren. Zu Preisen und Lizenzmodellen von HiddenLayer liegen bislang keine Angaben vor, ein belastbarer Kostenvergleich mit einer Eigenentwicklung ist daher noch nicht möglich.

