Oracle und UCLA einigen sich im Streit um Ascend
Die University of California, Los Angeles und Oracle haben ihren Streit über das ERP-Projekt Ascend außergerichtlich beigelegt. ERP steht für Enterprise Resource Planning und bezeichnet Software zur Steuerung zentraler Geschäftsprozesse wie Finanzen, Beschaffung und Budgetplanung.
Die UCLA zahlt 350.000 US-Dollar von insgesamt 1,66 Millionen US-Dollar an offenen Rechnungen. Oracle erlässt die verbleibenden 1,31 Millionen US-Dollar und gewährt zusätzlich ein Guthaben über 3,1 Millionen US-Dollar für künftige Softwaregebühren. Dieses Guthaben ist bis Ende Mai 2028 gültig.
| Position | Betrag oder Termin |
|---|---|
| Offene Oracle-Rechnungen | 1,66 Millionen US-Dollar |
| Zahlung der UCLA | 350.000 US-Dollar |
| Von Oracle erlassener Betrag | 1,31 Millionen US-Dollar |
| Guthaben für künftige Oracle-Gebühren | 3,1 Millionen US-Dollar |
| Gültigkeit des Guthabens | Bis Ende Mai 2028 |
Keine der beiden Parteien räumte ein rechtliches Verschulden ein. Zugleich vereinbarten Oracle und die UCLA Vertraulichkeit. Die Unterlagen wurden dennoch über das kalifornische Informationsfreiheitsrecht öffentlich.
Cloud-Software erfüllte zentrale Anforderungen nicht
Ascend sollte die Finanz-, Budget- und Forschungsverwaltung der Universität modernisieren. Die Oracle Cloud SaaS sollte dabei Altsysteme aus den 1980er-Jahren ersetzen. Der Vertrag wurde im November 2017 geschlossen, der Projektstart folgte im April 2018.
Ursprünglich sollte das System im Juli 2020 fertig sein. Später wurde der Go-Live auf Januar 2025 verschoben. Das Beschaffungsmodul BruinBuy Plus ging zwar im Januar 2024 in Betrieb, doch die Einführung des zentralen Finanzsystems wurde am 2. August 2024 gestoppt.
Im September 2024 stellte die UCLA die Zahlungen für Oracle-Abonnements ein. Als wesentlichen Grund nannte sie gravierende Defizite bei der Verwaltung von Fördermitteln. In den Vergleichsdokumenten warf die Universität Oracle vor, die vereinbarten funktionalen Anforderungen nicht erfüllt zu haben.
Die ERP-Cloud-Dienste hätten nicht genügend Funktionen geboten, um die Anforderungen der Universität zu erfüllen, und seien deshalb nicht wie erwartet nutzbar gewesen, heißt es sinngemäß in den Vergleichsunterlagen.
Die Universität leitete daraus einen Vertragsbruch ab. Oracle hat diese Darstellung im Vergleich nicht als rechtliches Verschulden anerkannt.
Projektkosten bleiben widersprüchlich
Das ursprüngliche Budget für Ascend lag bei 120 Millionen US-Dollar. Später wurde es auf 98,9 Millionen US-Dollar angepasst. Zum 31. Dezember 2024 sollen davon noch 13,5 Millionen US-Dollar verfügbar gewesen sein.
Andere öffentlich berichtete Zahlen fallen erheblich höher aus. Demnach könnten bereits mindestens 213 Millionen US-Dollar ausgegeben worden sein, bei einer Prognose von rund 286 Millionen US-Dollar für das Gesamtprojekt. Die tatsächlichen Gesamtkosten zum Zeitpunkt des Vergleichs sind wegen der unterschiedlichen Berechnungsgrundlagen nicht eindeutig belegt.
| Kennzahl | Wert | Einordnung |
|---|---|---|
| Ursprüngliches Projektbudget | 120 Millionen US-Dollar | Planung zu Projektbeginn |
| Revidiertes Budget | 98,9 Millionen US-Dollar | Offizielle spätere Anpassung |
| Restbudget Ende 2024 | 13,5 Millionen US-Dollar | Stand 31. Dezember 2024 |
| Berichtete bisherige Ausgaben | Mindestens 213 Millionen US-Dollar | Nicht mit dem revidierten Budget vergleichbar |
| Prognostizierte Gesamtkosten | Rund 286 Millionen US-Dollar | Frühere Projektion, kein bestätigter Endbetrag |
Die Dimension ist auch vor dem Hintergrund der UCLA relevant. Die Universität hat rund 49.000 Studierende und verwaltet ein Jahresbudget von etwa 11 Milliarden US-Dollar. Der geschätzte Wert des Oracle-Abonnements selbst lag laut einem unabhängigen Berater bei rund 12 Millionen US-Dollar über zehn Jahre.
Die Gutschrift löst den Vendor-Lock-in nicht
Der Vergleich reduziert die unmittelbare Forderung, löst aber nicht automatisch die strategische Abhängigkeit. Die 3,1 Millionen US-Dollar können nur gegen künftige Oracle-Gebühren eingesetzt werden. Wirtschaftlich bindet das Guthaben die UCLA damit weiterhin an das Oracle-Ökosystem, sofern es genutzt werden soll.
Ob Ascend mit Oracle abgeschlossen, grundlegend umgebaut oder durch ein anderes System ersetzt wird, ist nicht bestätigt. Die Universität hatte zuvor angekündigt, den weiteren Weg ihrer Finanzsystemmodernisierung zu prüfen. Aus der Gutschrift allein lässt sich keine Entscheidung für Oracle ableiten.
Das Muster ist auch aus anderen großen Softwareverträgen bekannt. Beim VMware-Ausstieg wegen steigender Lizenzkosten prüfen viele Unternehmen Alternativen erst, nachdem die Abhängigkeit bereits hohe Wechselkosten erzeugt hat. Auch der gestoppte Microsoft-365-Cloud-Umzug einer Steuerbehörde zeigt, dass technische Eignung, Kontrolle und Vertragsmodell vor der Migration gemeinsam bewertet werden müssen.
Lehren für ERP-Projekte im DACH-Raum
Für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen im DACH-Raum ist der Fall vor allem ein Warnsignal für groß angelegte ERP-Transformationen. Standardisierte SaaS-Suiten können bei komplexen Prozessen erhebliche Anpassungskosten verursachen. Besonders kritisch wird es, wenn Kernfunktionen erst während der Implementierung als unzureichend erkannt werden.
Vor einem vollständigen Plattformwechsel sollten funktionale Anforderungen deshalb anhand realer Abläufe getestet werden. Ebenso wichtig sind klar definierte Abnahmekriterien, Ausstiegsklauseln und eine Architektur, bei der Daten und einzelne Module ohne Komplettaustausch migriert werden können.
Modulare Eigenentwicklungen, Open-Source-Komponenten und Self-Hosting sind nicht automatisch günstiger. Sie können jedoch Abhängigkeiten reduzieren und Anpassungen dort ermöglichen, wo starre Cloud-Suiten an organisatorische Grenzen stoßen. Der Vergleich zwischen UCLA und Oracle zeigt zugleich, dass selbst ein finanzielles Entgegenkommen des Anbieters den jahrelangen Projektaufwand nicht rückgängig macht.

