VMware: 90 % prüfen Ausstieg wegen Lizenzkosten

Eine Umfrage unter 269 VMware-Nutzerorganisationen zeigt wachsenden Widerstand gegen höhere Lizenzkosten und den Wechsel zu VMware Cloud Foundation. 90 % prüfen Alternativen, während fast die Hälfte derzeit keine Migration auf Broadcoms bevorzugte Abo-Plattform plant.

VMware: 90 % prüfen Ausstieg wegen LizenzkostenBild: KI-generiert

VMware-Kunden reagieren auf steigende Lizenzkosten

Die Lizenzpolitik von Broadcom erhöht den Wechselwillen unter VMware-Kunden. In einer Befragung von 269 Führungskräften und IT-Fachleuten gaben 90 % an, wegen höherer Lizenzkosten Alternativen zu prüfen.

Die Erhebung führte Unisphere Research zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 durch. Auftraggeber war Rimini Street, ein kommerzieller Anbieter von Drittanbieter-Support. Dieses wirtschaftliche Interesse sollte bei der Bewertung der Ergebnisse berücksichtigt werden, auch wenn die Größenordnung der genannten Wechselbereitschaft deutlich ist.

KennzahlErgebnis
Befragte269 Führungskräfte und IT-Fachleute
Prüfen Alternativen wegen höherer Lizenzkosten90 %
Nennen das Support-Ende für Dauerlizenzen als Grund54 %
Priorisieren Kosteneinsparungen73 %
Planen derzeit keine Migration zu VCF48 %
Erwägen mehrere Hypervisoren60 %

Fast die Hälfte lehnt den VCF-Wechsel derzeit ab

Broadcom positioniert VMware Cloud Foundation, kurz VCF, als bevorzugten Migrationspfad und Abo-Plattform. 48 % der Befragten planen derzeit jedoch nicht, ihre Workloads dorthin zu verlagern.

Hinzu kommt das Ende des Supports für unbefristete Lizenzen. 54 % nennen diesen Schritt als Grund, andere Lösungen zu bewerten. Der Vorgang zeigt das Risiko eines Vendor-Lock-in, wenn geschäftskritische Infrastruktur eng an Lizenzmodell und Produktstrategie eines einzelnen Herstellers gebunden ist.

Die Ergebnisse unterstreichen den Bedarf an praxisnahen, anbieterunabhängigen Strategien, die geschäftliche Prioritäten wieder nach den Bedingungen des Kunden ausrichten, so Rimini-Street-COO Keith Costello sinngemäß.

Europäische Cloud-Verbände bezifferten den Anstieg der VMware-Lizenzkosten nach der Broadcom-Übernahme auf das Acht- bis 15-Fache des früheren Niveaus. Bereits zuvor zeigte sich, dass 55 % der Unternehmen VMware-Alternativen prüfen.

Mehrere Hypervisoren sollen Abhängigkeiten reduzieren

60 % der Befragten erwägen eine Multi-Hypervisor-Strategie. Ein Hypervisor ist die Basisschicht, auf der virtuelle Maschinen betrieben werden. Mehrere Plattformen parallel einzusetzen kann die Abhängigkeit von einem Hersteller reduzieren, erhöht aber zunächst den Betriebsaufwand.

Die Umfrage benennt entsprechend klare Hürden. Im Vordergrund stehen nicht nur technische Migrationen, sondern auch zusätzliche Sicherheits-, Betriebs- und Schulungsaufgaben.

WechselhürdeAnteil
Operative Komplexität40 %
Verwaltung mehrerer Anbieter38 %
Absicherung der größeren Angriffsfläche37 %
Fehlendes Fachwissen im Team37 %

Welche Alternativen die wechselwilligen Unternehmen bevorzugen, wurde nicht aufgeschlüsselt. Aussagen über konkrete Gewinner unter Anbietern oder Open-Source-Projekten lassen sich aus der Befragung daher nicht ableiten.

Proofs of Concept dürften deutlich zunehmen

Gartner erwartet, dass bis 2029 rund 55 % der Unternehmen Proofs of Concept für VMware-Alternativen starten. Im Jahr 2026 liegt der entsprechende Anteil laut Prognose bei 25 %. Solche Machbarkeitsnachweise erlauben es, Anwendungen, Betriebsprozesse und Kosten zunächst in begrenztem Umfang zu testen.

Auch Großkunden erhöhen den Druck. Der britische Einzelhändler Tesco ersetzt VMware und führt parallel einen Rechtsstreit gegen Broadcom. Eine Verhandlung vor dem britischen High Court ist frühestens für November 2027 vorgesehen.

Was der Trend für Unternehmen im DACH-Raum bedeutet

VMware ist in vielen Rechenzentren deutscher, österreichischer und schweizerischer Unternehmen tief in Betriebsabläufe, Sicherungssysteme und interne Kompetenzen eingebunden. Ein Wechsel ist deshalb kein gewöhnlicher Produkttausch, sondern ein mehrjähriges Infrastrukturprojekt mit erheblichen Abhängigkeiten.

Trotzdem werden Open-Source-basierte Plattformen wie KVM oder Proxmox sowie europäische Cloud-Infrastrukturen relevanter. Die Umfrage belegt allerdings nicht, welche dieser Optionen tatsächlich bevorzugt werden. Für die Auswahl zählen neben Lizenzkosten vor allem Migrationstauglichkeit, Support, Datenschutz und vorhandenes Fachwissen.

Der Fall ähnelt anderen Situationen, in denen Anbieter Abo- und Verbrauchsmodelle kombinieren. So entstehen auch bei Microsoft Copilot zusätzliche Verbrauchsgebühren neben dem Abonnement. Unternehmen sollten deshalb nicht nur aktuelle Preise vergleichen, sondern auch Ausstiegskosten, Datenportabilität und alternative Betriebswege vertraglich und technisch einplanen.