Drei Hersteller, keine freie Kapazität
Laut einem Branchenbericht ist die gesamte Produktionskapazität für DRAM und HBM des Jahres 2027 bereits vergeben. Betroffen sind alle drei relevanten Anbieter: Samsung, SK Hynix und Micron. Käufer sind demnach überwiegend Unternehmen aus dem KI-Umfeld, die Rechenzentren aufbauen oder erweitern.
DRAM ist der klassische Arbeitsspeicher in Servern und PCs. HBM steht für High Bandwidth Memory, also besonders schnellen Speicher, der direkt neben KI-Beschleunigern sitzt und deren Datendurchsatz bestimmt. Ohne HBM lässt sich kein moderner KI-Chip sinnvoll betreiben.
Wichtig für die Einordnung: Die drei Hersteller haben den vollständigen Ausverkauf bislang nicht offiziell bestätigt. Die Information stammt aus Marktberichten, nicht aus Unternehmensmitteilungen.
Fünfjahresverträge blockieren die Fertigung
Der eigentliche Hebel sind nicht einzelne Bestellungen, sondern langfristige Abnahmeverträge. KI-Konzerne sichern sich Speicher über Laufzeiten von fünf Jahren, also Ware, die noch gar nicht produziert wurde. Wer später kommt, findet schlicht keine freie Linie mehr vor.
Solange die Fertigung über Jahre im Voraus verkauft ist, entsteht am Spotmarkt kein Preisdruck nach unten. Auch für 2028 zeichnet sich nach aktuellen Einschätzungen keine grundlegende Entspannung ab.
Ob diese Verträge Ausstiegsklauseln enthalten, falls die Nachfrage nach KI-Infrastruktur nachlässt, geht aus den Berichten nicht hervor. Ebenso offen ist, ob bis 2027 oder 2028 zusätzliche Fabriken ans Netz gehen, die den Markt entlasten könnten. Neue Speicherwerke haben Vorlaufzeiten von mehreren Jahren.
NAND: noch nicht ausverkauft, aber deutlich teurer
Bei NAND-Flash, der Basis von SSDs, ist die Lage etwas entspannter. Hier liefern mehr Unternehmen, entsprechend ist die Kapazität nicht vollständig aufgekauft. Die Nachfrage wächst trotzdem, und die Endkundenpreise ziehen seit Monaten an.
| Produkt | Preis Januar | Preis aktuell | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Western Digital SN7100, 1 TB (PCIe 4) | ca. 110 US-Dollar | 189 US-Dollar | +52 % |
Ein einzelnes Laufwerk ist noch kein Markt, aber die Richtung ist eindeutig. Auch bei Arbeitsspeicher liegen hochwertige Kits inzwischen jenseits von 500 US-Dollar. Bei fertigen Geräten schlägt der Effekt ebenfalls durch: Die Xbox Series X wurde teurer, und die Steam Machine kam wegen der Speicherkosten zu einem höheren Preis auf den Markt als von Valve geplant.
Was das für IT-Budgets im DACH-Raum bedeutet
Der Speichermarkt ist global, regionale Sonderwege gibt es nicht. Wer in Deutschland, Österreich oder der Schweiz Server beschafft oder bestehende Systeme aufrüstet, zahlt die gleiche Knappheitsprämie wie alle anderen. Planungen, die auf den Hardwarepreisen der vergangenen Jahre beruhen, sind damit hinfällig.
Besonders unangenehm ist das für Projekte, die bewusst weg vom Abo und hin zu eigener Infrastruktur wollen. Self-Hosting verlagert Kosten von laufenden Ausgaben zu einmaligen Investitionen, und genau diese Investitionen werden gerade teurer. Wer 2026 oder 2027 eine eigene Serverumgebung plant, sollte Speicher als eigenen Risikoposten im Budget führen und Angebote früher einholen als sonst üblich.
Umgekehrt gilt der Kostendruck aber auch für die Gegenseite. Hyperscaler und SaaS-Anbieter kaufen dieselbe Hardware, nur in größeren Mengen. Steigende Beschaffungskosten landen früher oder später in den Listenpreisen, wie sich bereits an den wachsenden Token- und KI-Kosten in Entwicklungsbudgets ablesen lässt. Die Vorstellung, man könne dem Hardware-Engpass durch ein Abo entkommen, greift also zu kurz. Man zahlt ihn nur indirekt.
Die Kette hängt an wenigen Zulieferern
Der Vorgang zeigt, wie schmal die Basis der aktuellen KI-Infrastruktur ist. Drei Speicherhersteller entscheiden praktisch darüber, wer in den kommenden Jahren Rechenkapazität aufbauen kann. Dass große Anbieter zunehmend versuchen, sich vertikal abzusichern, etwa über eigene Chipdesign-Teams oder über Zukäufe wie die Übernahme von Taalas durch AMD, ist eine direkte Folge dieser Abhängigkeit.
Dazu kommen Grenzen auf der Energieseite. Selbst wo Speicher verfügbar wäre, stoßen Rechenzentren zunehmend auf Netzanschlussprobleme, wie das Moratorium in Texas zeigt. Knapper Speicher und knapper Strom wirken in dieselbe Richtung: Rechenleistung bleibt auf absehbare Zeit ein teures Gut, und wer sie plant, sollte konservativ kalkulieren.

