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Darkbloom: Token-Preisverfall drückt Mac-Vergütung

Darkbloom warnt Mac-Besitzer vor dauerhaft niedrigen Einnahmen aus vermieteter Rechenleistung. Effizientere Rechenzentren und fallende Token-Preise machen dezentrale KI-Inferenz auf durchschnittlicher Apple-Hardware zunehmend unrentabel.

Darkbloom: Token-Preisverfall drückt Mac-VergütungBild: KI-generiert

Darkbloom verliert seinen Preisvorteil

Das verteilte Inferenz-Netzwerk Darkbloom von Eigen Labs steht unter wirtschaftlichem Druck. Rund 800 Teilnehmer stellen bislang die Rechenleistung ihrer Macs bereit, um Anfragen an KI-Modelle zu verarbeiten. Die Vermittlung erfolgt unter anderem über das Modell-Gateway OpenRouter.

Inferenz bezeichnet die eigentliche Ausführung eines bereits trainierten KI-Modells. Für jede verarbeitete Anfrage erhalten die Betreiber der Hardware eine Vergütung. Das Netzwerk hat inzwischen eine Billion Tokens verarbeitet, doch die Einnahmen der Teilnehmer sind stark gesunken.

„Die Einnahmen waren niedrig. Für die meisten Anbieter erwarte ich nicht, dass sich das bald erholt“, erklärte Darkbloom-Forscher Kydo in sinngemäßer deutscher Übersetzung.

Token-Preise fallen innerhalb weniger Monate

Seit Mai 2026 sind die Preise für KI-Tokens laut den vorliegenden Marktdaten um 54 % gefallen. Beim beobachteten Anthropic-Preis betrug der Rückgang zwischen dem 1. Mai und dem 22. Oktober 2026 sogar 77 %.

KennzahlWert
Teilnehmer im Darkbloom-Netzwerkrund 800
Verarbeitete Tokens1 Billion
Allgemeiner Token-Preisrückgang seit Mai 202654 %
Anthropic-Preis am 1. Mai 20262,65 US-Dollar je Million Tokens
Anthropic-Preis am 22. Oktober 20260,62 US-Dollar je Million Tokens
Rückgang beim Anthropic-Preis77 %

Der Preisverfall ist nicht nur das Ergebnis eines intensiveren Wettbewerbs. Moderne Rechenzentren verarbeiten KI-Anfragen deutlich effizienter. Frameworks wie DeepSeek DeepInfer und leistungsfähigere Nvidia-Cluster erhöhen den Durchsatz und senken die Kosten pro Token.

„Der Durchsatz pro Nvidia-Cluster ist dieses Jahr um ungefähr das Zwanzigfache gestiegen. Die Margen erlauben Preissenkungen von 90 %, während weiterhin 50 % Gewinn möglich sind“, so Kydo in sinngemäßer deutscher Übersetzung.

Damit verschwindet der bisherige Kostenvorteil verteilter Mac-Hardware. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei professionellen KI-Plattformen. Aiven beziffert die Einsparung durch ein Open-Weight-Modell auf 80 %. Auch in Vercels Infrastruktur gewinnen günstige Open-Weight-Modelle im Modell-Gateway an Bedeutung.

Bis zu 192 US-Dollar pro Monat bleiben Theorie

Für einen Mac mini mit M5 Pro und 64 GB RAM hatte Darkbloom einen theoretischen Maximalverdienst von rund 192 US-Dollar pro Monat errechnet. Dafür müsste das Gerät rund um die Uhr ausgelastet sein und ein nachgefragtes Modell wie Qwen3.6 35B A3B ausführen.

VergütungskennzahlBetrag
Theoretisches Maximum für einen Mac mini mit M5 Pro192 US-Dollar pro Monat
Median der 50 führenden Teilnehmer5,26 US-Dollar pro Tag
Hochgerechneter Monatswert159,86 US-Dollar
Hochgerechneter Jahreswert1.918,50 US-Dollar
Qwen3.6 35B A3B, Input0,065 US-Dollar je Million Tokens
Qwen3.6 35B A3B, Output0,75 US-Dollar je Million Tokens

Der Median bezieht sich nur auf die 50 führenden Teilnehmer der Bestenliste und ist deshalb nicht repräsentativ für das gesamte Netzwerk. Zudem entscheidet nicht allein der Token-Preis über die Wirtschaftlichkeit. Auslastung, Stromverbrauch, Hardwarekosten und der sonstige Nutzen des Geräts müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Für Standard-Macs ohne Max- oder Ultra-Chip rechnet Darkbloom nicht mehr mit einem wirtschaftlich sinnvollen Betrieb. Gleichzeitig bewertet OpenRouter Anbieter zunehmend nach Dekodiergeschwindigkeit, Prefill-Geschwindigkeit und Quantisierung. Quantisierung reduziert die Genauigkeit der Modellgewichte, um Speicherbedarf und Rechenaufwand zu senken.

Darkbloom setzt künftig auf High-End-Cluster

Eigen Labs will Darkbloom auf leistungsfähigere Mac-Cluster ausrichten. Vorgesehen sind unter anderem Mac Studios mit bis zu 512 GB RAM, die per Thunderbolt und RDMA verbunden werden. RDMA ermöglicht einen direkten Speicherzugriff zwischen vernetzten Systemen und kann den Datenaustausch beschleunigen.

Zusätzlich prüft das Unternehmen verteilte CI/CD-Aufgaben. Dabei würden automatisierte Tests und Software-Builds über das Netzwerk ausgeführt, etwa wenn KI-Agenten schneller neue Änderungen einreichen, als vorhandene Pipelines sie verarbeiten können.

Wie diese Aufgaben sicher isoliert werden sollen, ist bislang nicht geklärt. Auch zu möglichen Vergütungsmodellen für CI/CD-Aufträge oder High-End-Cluster nennt Eigen Labs keine belastbaren Details. Gerade bei fremdem Programmcode wären Sandboxing, Zugriffskontrollen und der Schutz von Geschäftsgeheimnissen zentrale Voraussetzungen.

Günstige Inferenz setzt KI-Abos unter Druck

Für Unternehmen im DACH-Raum ist das Vermieten ungenutzter Büro-Macs damit kaum ein belastbares Geschäftsmodell. Die andere Seite des Preisverfalls ist für IT-Abteilungen deutlich interessanter: Eigene KI-Workflows und Agenten werden günstiger.

Wenn Inferenz zur austauschbaren Massenleistung wird, lassen sich hohe Aufschläge für einfache KI-Funktionen in Software-Abos schwerer rechtfertigen. Standardisierte Gateways, Modell-Routing und selbst betriebene Open-Weight-Modelle schaffen Alternativen. Wie stark bereits die Auswahl des Modells wirkt, zeigt LegalOns Kostensenkung um 65 % durch Modell-Routing.

Für die Beschaffung bedeutet das, KI-Funktionen nicht nur nach Funktionsumfang zu bewerten. Relevant sind auch die tatsächlichen Token-Kosten, die Austauschbarkeit des Modells, Datenschutzanforderungen und die Abhängigkeit vom jeweiligen Anbieter. Der Markt entwickelt sich schneller als viele langfristige SaaS-Verträge.