Oracle ergänzt Nutzerlizenzen um verbrauchsbasierte KI-Kosten
Oracle plant ein zusätzliches Abrechnungsmodell für KI-Agenten in seinen Enterprise-Anwendungen. Automatisierte Arbeitsabläufe sollen sogenannte AI Units verbrauchen, also nutzungsabhängige Einheiten für KI-Aufgaben. Diese Kosten kommen zu den bestehenden Software-Abonnements hinzu.
Für Oracle löst das Modell ein zentrales Wachstumsproblem klassischer Unternehmenssoftware. Der Umsatz kann steigen, ohne dass Kunden zusätzliche Nutzerlizenzen kaufen müssen. Statt der Zahl menschlicher Anwender wird künftig auch die von KI erledigte Arbeit zur Abrechnungsgrundlage.
„Je mehr Arbeit von KI in unserem System erledigt wird, desto mehr Umsatz werden wir sehen, weil dabei AI Units verbraucht werden. Wir müssen keine weiteren Nutzerlizenzen hinzufügen, um mehr Umsatz zu generieren“, erklärte Chris Leone, Executive Vice President für Application Development, sinngemäß.
Wie eine AI Unit genau definiert und gemessen wird, ist bislang offen. Oracle nennt auch keinen Preis pro Einheit. Unklar bleibt außerdem, welche KI-Funktionen in bestehenden Abonnements enthalten sein werden und wann das neue Modell für Bestandskunden verbindlich gilt.
Fusion Claw steuert Agenten in Geschäftsprozessen
Anfang Oktober 2026 stellte Oracle mit Fusion Claw eine Laufzeitumgebung zur Steuerung von KI-Agenten vor. Die Agenten sollen Prozesse in ERP, Finanzwesen und Lieferketten automatisieren. Sie können sowohl innerhalb der Fusion-Anwendungen auf Oracle Cloud Infrastructure, kurz OCI, als auch außerhalb von Fusion Aufgaben bearbeiten.
Damit wird das Abrechnungsmodell besonders relevant. Ein Agent kann zahlreiche Transaktionen ausführen, ohne dass dafür zusätzliche Beschäftigte oder Nutzerkonten erforderlich sind. Aus einer ursprünglich personalbezogenen Softwarelizenz entsteht so eine Kombination aus festen Abonnements und variablem Verbrauch.
Ein ähnlicher Trend zeigt sich bei Workdays geplanten Verbrauchsgebühren für KI-Agenten. Für Unternehmenskunden bedeutet das, dass die Automatisierung zwar Personalkapazitäten entlasten kann, zugleich aber neue und möglicherweise stark schwankende Softwarekosten erzeugt.
Hohe Investitionen erhöhen den Wachstumsdruck
Oracle baut seine Rechenzentren und Cloud-Infrastruktur massiv aus. Das Unternehmen finanziert die Expansion derzeit mit negativen Cashflows sowie zusätzlichem Fremd- und Eigenkapital. OCI soll neben den Arbeitslasten bestehender Kunden auch KI-Modellentwickler wie OpenAI beherbergen.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Infrastrukturinvestitionen im Geschäftsjahr 2026 | 55,7 Milliarden US-Dollar |
| Geplante Infrastrukturinvestitionen im Geschäftsjahr 2027 | 90 bis 95 Milliarden US-Dollar |
| Aufgenommene Schulden im September 2025 | 18 Milliarden US-Dollar |
| Geplante zusätzliche Fremd- und Eigenkapitalaufnahme 2027 | Rund 40 Milliarden US-Dollar |
| Umsatzziel für das Geschäftsjahr 2030 | 225 Milliarden US-Dollar |
| Angestrebtes jährliches Umsatzwachstum ab 2026 | 35 % |
| Erwartete Rückkehr zu positivem Cashflow | Zweites Halbjahr des Geschäftsjahres 2028 |
Die AI Units sind damit nicht nur eine technische Abrechnungsgröße. Sie sollen dazu beitragen, aus bestehenden Kunden höhere Umsätze zu erzielen und die umfangreiche Infrastruktur wirtschaftlich auszulasten. Wie schnell variable KI-Gebühren wachsen können, hängt jedoch von der Zahl und Komplexität automatisierter Prozesse ab.
KI soll Kunden schneller in die Oracle Cloud bringen
Parallel will Oracle KI-Werkzeuge einsetzen, um On-Premises-Systeme automatisiert in die Cloud zu migrieren. Co-CEO Mike Sicilia erwartet dadurch kürzere Einführungszeiten und niedrigere Migrationskosten. Das Angebot soll sich ausdrücklich auch an Kunden konkurrierender Anbieter richten.
„On-Premises-Kunden können mithilfe von KI-Werkzeugen einfacher in die Cloud wechseln, Migrationen automatisieren und Zeit sowie Implementierungskosten reduzieren“, sagte Sicilia sinngemäß.
Oracle verbindet damit ein klares wirtschaftliches Ziel. Nach Angaben Sicilias vervielfacht sich der Umsatz pro Kunde, wenn eine lokale Installation in die Cloud verlagert wird. Dazu passt der geplante ChatGPT-Zugriff auf Oracle-Geschäftsdaten, der OCI tiefer in operative Unternehmensprozesse einbinden soll.
Doppelte Abrechnung erschwert die Budgetplanung
Für Unternehmen im DACH-Raum ist die Kombination aus Cloud-Migration und verbrauchsabhängiger KI-Abrechnung besonders relevant. Viele mittelständische und große Organisationen betreiben Oracle-Systeme noch im eigenen Rechenzentrum. Beim Wechsel zu OCI verändern sich nicht nur Architektur und Betriebsmodell, sondern auch die Kostenstruktur und die Abhängigkeit vom Anbieter.
Vor einer Einführung von Fusion Claw sollten deshalb Messmethode, Preis pro AI Unit, Budgetgrenzen und Protokollierung vertraglich geklärt werden. Ebenso wichtig sind Vorgaben zur Verarbeitung sensibler Finanz-, Personal- und Lieferkettendaten. Die Debatte um die Kosten europäischer Cloud-Souveränität zeigt, dass Standort, Zugriffskontrolle und Anbieterabhängigkeit längst wirtschaftliche Faktoren sind.
Das Oracle-Modell verdeutlicht ein grundsätzliches Risiko moderner SaaS-Verträge. Unternehmen zahlen weiterhin feste Nutzer-Abonnements und zusätzlich für automatisierte Arbeit. Offene Modelle, Self-Hosting oder eigene Agenten-Schnittstellen können Alternativen sein, wenn Kostentransparenz, Datenschutz und Wechselmöglichkeiten höher gewichtet werden als die enge Integration in eine proprietäre Anwendungssuite.

