Google sichert 3.590 MW Strom für Rechenzentren

Google sichert sich über 20 Jahre insgesamt 3.590 Megawatt Leistung für seine US-Rechenzentren. Ein Teil davon entsteht durch die Modernisierung bestehender Atomkraftwerke, während die Herkunft weiterer 2.700 Megawatt offenbleibt.

Google sichert 3.590 MW Strom für RechenzentrenBild: KI-generiert

Google schließt langfristigen Stromvertrag

Google hat mit Constellation Energy eine Stromkaufvereinbarung über 20 Jahre geschlossen. Das vereinbarte Gesamtvolumen beträgt 3.590 Megawatt und soll den wachsenden Energiebedarf der US-Rechenzentren des Konzerns absichern.

Ein Power Purchase Agreement ist ein langfristiger Vertrag über die Abnahme von Strom. Solche Vereinbarungen geben dem Abnehmer planbar verfügbare Leistung und schaffen für den Energieversorger eine Grundlage für umfangreiche Investitionen.

KennzahlUmfang
Vertragslaufzeit20 Jahre
Gesicherte Leistung insgesamt3.590 Megawatt
Zusätzliche Kernkraftleistung890 Megawatt
Weitere, nicht spezifizierte Quellen2.700 Megawatt
Betroffene AtomkraftwerkeMindestens 11
Investitionen von Constellation Energy4,3 Milliarden US-Dollar
Erster modernisierter ReaktorBis 2028

Mehr Leistung aus bestehenden Reaktoren

Constellation Energy will 890 Megawatt zusätzliche Kapazität durch gezielte Leistungssteigerungen bestehender Atomkraftwerke bereitstellen. Betroffen sind mindestens elf Anlagen in Illinois, Pennsylvania und New Jersey.

Bei diesen sogenannten Uprates wird nicht zwingend ein neuer Reaktor gebaut. Stattdessen werden unter anderem Turbinen, Dampferzeuger und digitale Steuerungssysteme modernisiert, damit bestehende Anlagen mehr Strom liefern können.

Durch modernisierte Turbinen, Dampferzeuger und digitale Steuerungssysteme lassen sich erhebliche zusätzliche Kapazitäten erschließen, ohne die langen Bauzeiten und Netzanschlussprobleme neuer Kraftwerke in Kauf nehmen zu müssen, erklärte Constellation Energy sinngemäß.

Der erste entsprechend aufgerüstete Reaktor soll bis 2028 einsatzbereit sein. Für die Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen plant Constellation Energy Ausgaben von 4,3 Milliarden US-Dollar.

Woher die übrigen 2.700 Megawatt des Vertrags stammen sollen, wurde nicht näher erläutert. Auch zum vereinbarten Strompreis und zu anderen finanziellen Konditionen liegen keine Angaben vor.

KI-Infrastruktur wird zum Energieprojekt

Google plant im laufenden Jahr Ausgaben von bis zu 205 Milliarden US-Dollar für Rechenzentren und Rechenkapazitäten. Die Größenordnung macht deutlich, dass der Ausbau von KI nicht allein von verfügbaren Chips abhängt. Stromerzeugung, Netzanbindung und langfristige Lieferverträge werden ebenso zu strategischen Faktoren.

Der Wettbewerb um belastbare Energieversorgung betrifft die gesamte Branche. Microsoft arbeitet an der Wiederinbetriebnahme von Three Mile Island Unit 1. Meta beziffert seine Zusagen für Kernenergie und andere saubere Energiequellen auf insgesamt 6,6 Gigawatt.

Auch der Ausbau des US-Stromnetzes für zusätzliche Rechenleistung zeigt, wie stark KI-Infrastruktur inzwischen von energiepolitischen Entscheidungen abhängt. Gleichzeitig investieren Betreiber in alternative Quellen, etwa in Geothermie für Rechenzentren.

Was das für Unternehmen im DACH-Raum bedeutet

Die Vereinbarung betrifft ausschließlich Anlagen in den USA und hat keinen direkten Einfluss auf die Energieversorgung im DACH-Raum. Für hiesige IT-Verantwortliche zeigt sie jedoch, welcher Kapitalbedarf hinter global verfügbaren Cloud- und KI-Diensten steht.

Hyperscaler müssen Investitionen in Rechenzentren, Chips, Stromerzeugung und Netzanbindung wirtschaftlich refinanzieren. Das kann den Druck erhöhen, Kosten über Cloud-Tarife, API-Gebühren und Software-Abonnements weiterzugeben. Wie stark sich der konkrete Google-Vertrag auf Preise auswirkt, lässt sich derzeit nicht beziffern.

Langfristige Infrastrukturverträge verstärken zugleich die Konzentration bei wenigen großen Plattformen. Für Unternehmen entstehen daraus Risiken durch steigende Betriebskosten und Abhängigkeiten von einzelnen Infrastrukturanbietern.

Effiziente Open-Source-Modelle, lokale Verarbeitung und eigene Infrastruktur werden damit wirtschaftlich relevanter. Sie ersetzen Hyperscaler nicht in jedem Szenario, können aber Kosten, Datenabfluss und Anbieterbindung bei klar abgegrenzten Anwendungen reduzieren. Entscheidend ist eine nüchterne Gesamtrechnung aus Hardware, Energie, Betrieb, Personalaufwand und externen Nutzungsgebühren.