OVHcloud hebt die Preise um bis zu 87 Prozent an
Der französische Cloud-Anbieter OVHcloud zieht die Preise für gemietete Server massiv an. Firmenchef Octave Klaba kündigte Aufschläge von bis zu 87 % an, wirksam ab September 2026. Am stärksten betroffen sind die Gaming-Server der Edition 2026. Andere aktuelle Servermodelle werden 40 bis 59 % teurer.
Der Grund liegt nicht im Geschäftsmodell, sondern im Einkauf. Die Beschaffungskosten für Hardware sind innerhalb eines Jahres regelrecht entgleist. Klaba nennt dafür den KI-Boom und die Bestellwellen der großen Hyperscaler als Ursache, die den Markt für Arbeitsspeicher und schnelle Laufwerke leerkaufen.
Was OVHcloud selbst für Hardware zahlt
Die Zahlen, die Klaba nennt, machen den Druck deutlich. Arbeitsspeicher kostet den Anbieter im Jahr bis Juni 2026 das Sechsfache des Vorjahresniveaus. Bis September soll sich der Preis auf das Neunfache erhöhen, für 2027 rechnet er mit dem Zwölffachen.
| Komponente | Preisentwicklung laut OVHcloud |
|---|---|
| RAM (bis Juni 2026) | 6-facher Preis |
| RAM (bis September 2026) | 9-facher Preis |
| RAM (Prognose 2027) | 12-facher Preis |
| NVMe-Laufwerke | 7-facher Preis |
| Festplatten (HDD) | 3,5-facher Preis |
| CPUs, Mainboards, Netzwerkkarten | plus 15 bis 20 % |
Die Entwicklung passt zum Bild, das sich schon länger abzeichnet: Der Speicherengpass ist bis 2027 ausverkauft, weil KI-Rechenzentren die verfügbaren Fertigungskapazitäten binden. Wer klassische Server betreibt, konkurriert dabei direkt mit Betreibern, die ganz andere Budgets mitbringen.
"Es ist sehr frustrierend, die Preise für einen Akteur wie OVHcloud zu erhöhen, weil wir uns sehr bemühen, preislich so attraktiv wie möglich zu sein. Aber der globale Kontext erlegt uns eine sehr strenge Disziplin auf, um einfach weiterhin neue Bestellungen ausliefern zu können." (sinngemäße Übersetzung der Aussage von Octave Klaba)
Bestandskunden zahlen weniger drauf
Wer bereits auf Hardware aus dem Jahr 2024 läuft, kommt bei einer Vertragsverlängerung günstiger weg. Nach Angaben von Klaba fällt der Aufschlag dort drei- bis sechsmal geringer aus als bei einer Neubestellung. Das ist logisch, weil diese Maschinen längst beschafft und abgeschrieben sind.
Für die Praxis heißt das: Bestandsverträge behalten vorerst einen Wertvorteil. Wer eine Erweiterung plant, sollte sie eher vorziehen als aufschieben, sofern die Kapazität überhaupt verfügbar ist.
Neue Abrechnung und weniger Vertragslaufzeiten
Parallel ändert OVHcloud die Abrechnungslogik. Ab dem 1. Oktober 2026 werden Speicherplatz und IP-Adressen von den Gen3-Instanzen entkoppelt und separat berechnet. Für Speicher fallen dann 0,000146 € pro GB und Stunde an, für eine IP-Adresse 0,0027 € pro Stunde.
Außerdem streicht der Anbieter Teile seiner Sparpläne. Die Laufzeiten über 1, 6 und 24 Monate fallen weg, übrig bleiben 12 und 36 Monate. Das reduziert die Flexibilität in der Kostenplanung erheblich, weil kurze Bindungen als Puffer für unsichere Projekte entfallen. Vollständige Detail-Preislisten hatte OVHcloud zum Zeitpunkt der Ankündigung noch nicht veröffentlicht.
Wie lange der Preisdruck anhält
Klaba erwartet keine schnelle Entspannung. Er rechnet damit, dass die Lage bis 2028 anhält, eine Rückkehr zur Normalität hält er erst für 2029 für realistisch.
"Wir kennen das Preisniveau von RAM und Laufwerken im Jahr 2027 noch nicht, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Preise weiter steigen, ist sehr hoch." (sinngemäße Übersetzung)
In der Branche wird erwartet, dass auch AWS und Microsoft Azure nachziehen. Belegt ist das nicht, entsprechende Ankündigungen der beiden Anbieter liegen bislang nicht vor. Plausibel ist die Vermutung dennoch, weil alle Betreiber auf denselben Beschaffungsmärkten einkaufen.
Was das für Unternehmen im DACH-Raum bedeutet
OVHcloud gilt hier als eine der wichtigsten europäischen Alternativen zu den US-Hyperscalern, gerade bei datenschutzsensiblen Projekten und bei Bare-Metal-Servern, also gemieteter dedizierter Hardware ohne Virtualisierungsschicht. Die Erhöhungen treffen damit genau jene Firmen, die aus Datenschutzgründen bewusst europäisch hosten.
Für die Frage SaaS-Abo gegen Eigenbetrieb ändert das die Rechnung, ohne sie umzudrehen. Self-Hosting bleibt in vielen Fällen deutlich billiger als eine Lizenz pro Nutzer und Monat, aber die Hardware-Basis wird teurer und muss in jeder Kalkulation für die nächsten Jahre mit Aufschlag angesetzt werden. Speicherhunger, etwa durch großzügig dimensionierte Datenbanken oder Log-Archive, kostet nun spürbar mehr Geld.
Gleichzeitig zeigt der Fall, wie stark der KI-Ausbau auf die gesamte Infrastruktur durchschlägt. Nicht nur Komponenten werden knapp, auch Standorte und Netzanschlüsse geraten unter Druck, wie das Moratorium für Netzanschlüsse neuer KI-Rechenzentren in Texas zeigt. Wer jetzt langfristig plant, sollte Kapazität früher reservieren als üblich.
Preisdruck bei den etablierten Anbietern schafft nebenbei Raum für Herausforderer. Neue Plattformen wie Railway mit seiner 100-Millionen-Dollar-Finanzierung gegen AWS setzen genau auf diesen Punkt. Ob sie günstiger bleiben können, hängt allerdings von denselben Hardware-Märkten ab.

