PerplexityKI Suche

Perplexity zitiert Portale mit 215.128 Vergleichsseiten

Eine Analyse von 7.534 Perplexity-Quellen zeigt, wie stark Software-Empfehlungen auf wenig bekannte und maschinell erzeugte Inhalte zurückgreifen. Drei mutmaßlich verbundene Portale betreiben zusammen 215.128 Vergleichsseiten, die gezielt für das Grounding von KI-Systemen aufbereitet sind.

Perplexity zitiert Portale mit 215.128 VergleichsseitenBild: KI-generiert

Perplexity stützt Empfehlungen auf fragwürdige Quellen

KI-Suchmaschinen vermitteln bei Software-Empfehlungen den Eindruck einer breiten Marktanalyse. Eine Untersuchung der Perplexity-Modelle sonar und sonar-pro zeigt jedoch, wie anfällig dieses Verfahren für massenhaft erzeugte Vergleichsinhalte ist.

Analysiert wurden 380 Software-Kategorien, von CRM bis zur Verwaltung von Museumssammlungen. Für jede Kategorie wurden beide Modelle über OpenRouter aufgerufen. Insgesamt entstanden 760 Abfragen mit 3.800 Empfehlungsplätzen.

KennzahlErgebnis
Untersuchte Software-Kategorien380
API-Aufrufe760
Empfehlungsplätze3.800
Unterschiedliche Produkte1.807
Analysierte Quellenangaben7.534
Unterschiedliche Quelldomains2.055

Von den 7.534 Quellenangaben führten 59,8 % zu Domains mit einem Tranco-Rang schlechter als 100.000. Tranco ist eine Rangliste stark besuchter Websites, die verschiedene Reichweitensignale zusammenführt. Weitere 23,4 % der zitierten Domains tauchten nicht einmal unter den ersten eine Million Websites auf.

Eine geringe Reichweite bedeutet nicht automatisch schlechte Qualität. Die Verteilung zeigt aber, dass Perplexity seine Antworten zu großen Teilen auf Quellen stützt, deren Bekanntheit und institutionelle Einordnung kaum belastbar sind.

Drei Portale erzeugen 215.128 Bestenlisten

Besonders auffällig sind wifitalents.com, worldmetrics.org und gitnux.org. Die drei Portale verwenden denselben Webseiten-Aufbau, dieselbe Navigation und dieselben Cloudflare-Nameserver. Das spricht für einen Zusammenhang, beweist aber weder gemeinsame Eigentümer noch eine bestimmte Betreiberstruktur.

Zusammen veröffentlichen die Portale 215.128 maschinell erzeugte Seiten nach dem Muster „Best Software“. Die Zahl der Seiten übersteigt die realistisch abgrenzbaren Software-Kategorien erheblich.

PortalGenerierte Vergleichsseiten
worldmetrics.org71.684
gitnux.org72.713
wifitalents.com70.731
Gesamt215.128

Die Seiten sind nicht nur für menschliche Leser strukturiert. worldmetrics.org und gitnux.org bezeichneten ihre Startseiten im HTML-Titel ausdrücklich als „Facts & Grounding Page“. Grounding bezeichnet den Abruf externer Dokumente, mit denen ein KI-Modell seine Antwort unterfüttert.

Sinngemäße Übersetzung der Meta-Beschreibung: „Geprüfte Fakten über Gitnux, ein unabhängiges Marktforschungsunternehmen, das Branchenstatistiken, individuelle Forschung und Software-Bestenlisten veröffentlicht. Angaben zu Unternehmen, Recht, Methodik und Compliance befinden sich in einem maschinenlesbaren Datensatz.“

Begriffe wie „Grounding“ und der Hinweis auf einen maschinenlesbaren Datensatz richten sich erkennbar an automatisierte Abrufsysteme. Der Inhalt soll nicht nur in Suchmaschinen erscheinen, sondern möglichst direkt in die Begründung von KI-Antworten einfließen.

Identische Vorlage, unterschiedliche Gewinner

Wie wenig belastbar solche Bestenlisten sein können, zeigt die Kategorie „project estimation software“. Trotz gleicher Struktur kamen die drei Portale zu unterschiedlichen Ranglisten. Bei worldmetrics.org und wifitalents.com lag Float vorne, während gitnux.org Saviom zum Sieger erklärte.

Die Seiten nannten neun unterschiedliche angebliche Autoren und verwiesen auf redaktionelle Prüfverfahren. Teilweise blieben zugleich nicht ausgefüllte Variablen aus der Vorlage sichtbar. Das passt nicht zum Eindruck einer individuell erstellten und fachlich geprüften Marktanalyse.

Ein Marketing-Blog liegt vor Gartner

Die dritthäufigste Quelle der gesamten Stichprobe war guideflow.com. Der Anbieter verkauft interaktive Produktdemos und ist in den abgefragten Software-Kategorien nicht selbst tätig. Trotzdem entfielen 194 Zitate aus 96 Kategorien auf seinen Marketing-Blog.

QuelleZitateAnteil
g2.com2913,86 %
reddit.com2613,46 %
guideflow.com1942,57 %
gartner.com1582,10 %
Wikipedia30,04 %

Das ist kein Beleg für Täuschung durch den Anbieter. Es zeigt vielmehr ein Problem der Retrieval-Schicht, also des Systems zur Auswahl externer Quellen. Umfangreicher Content kann dort mehr Gewicht erhalten als fachliche Zuständigkeit oder nachvollziehbare Bewertungsmethoden.

Aus Empfehlungen führen Links ins Leere

Die Untersuchung prüfte außerdem 1.502 Hersteller-Domains, die Perplexity als offizielle Produktseiten ausgegeben hatte. Davon waren 17 Domains beziehungsweise 1,1 % nicht erreichbar oder nicht mehr existent. Weitere 92 Domains beziehungsweise 6,1 % leiteten auf andere Internetadressen um.

In zwei Fällen führten die angegebenen Herstellerlinks zu Online-Glücksspiel beziehungsweise zu einer Hotel-Website. Für eine unverbindliche Recherche mag das wie ein Randfehler wirken. Bei einer Vorauswahl für Beschaffung, Datenschutzprüfung oder Vertragsverhandlungen wird daraus ein reales Geschäftsrisiko.

Grounding-Optimierung wird zum Geschäftsmodell

worldmetrics.org bietet neben den generierten Bestenlisten auch kostenpflichtige Leistungen an. Damit kann Sichtbarkeit in KI-Antworten zumindest indirekt Teil eines kommerziellen Angebots werden.

DienstleistungPreis ab
Vorgefertigte Reports499 €
Anbieterauswahl2.500 €
Individuelle Marktforschung5.000 €

Die Optimierung für maschinelle Leser ist nicht mit einer Prompt Injection gleichzusetzen. Beide Themen zeigen jedoch, dass KI-Systeme Inhalte aus dem offenen Web nicht automatisch als vertrauenswürdig behandeln dürfen. Wie gezielt Dokumente auf KI-Auswertung zugeschnitten werden können, zeigt auch die entdeckte Prompt Injection in einer US-Gerichtsakte.

Umgekehrt entwickeln Website-Betreiber technische Gegenmaßnahmen, wenn automatisierte Systeme Inhalte ohne ausreichende Kontrolle abrufen. Ein Beispiel ist ShieldFont und dessen Umgang mit KI-Scrapern. Beide Entwicklungen verdeutlichen, dass sich das Web zunehmend in Inhalte für Menschen und Inhalte für Maschinen aufteilt.

Was Unternehmen im DACH-Raum daraus ableiten sollten

Für IT-Verantwortliche sind KI-generierte Bestenlisten keine belastbare Grundlage für eine Software-Auswahl. Eine scheinbar präzise Rangfolge kann auf automatisierten SEO-Seiten, Marketing-Blogs oder veralteten Herstellerdaten beruhen. Quellenangaben schaffen nur dann Transparenz, wenn ihre Herkunft und Methodik tatsächlich geprüft werden.

Das gilt besonders bei der Abwägung zwischen einem weiteren SaaS-Abonnement, einer Open-Source-Lösung und einer eigenen Entwicklung. Neben Funktionsumfang und Preis gehören Datenhaltung, Exportmöglichkeiten, Integrationsaufwand und Anbieterabhängigkeit in die Bewertung. Eine KI-Suche kann Kandidaten sammeln, aber keine technische und kaufmännische Prüfung ersetzen.

Die Ergebnisse gelten ausschließlich für perplexity/sonar und perplexity/sonar-pro. ChatGPT, Google Gemini, Microsoft Copilot und andere KI-Suchsysteme wurden nicht untersucht. Ob sie dieselben Portale ähnlich stark gewichten, ist bislang nicht belegt.