17 Milliarden Gallonen Wasser im Jahr 2023
Der Wasserverbrauch von Rechenzentren in den USA hat sich innerhalb von neun Jahren verdreifacht. Nach einer Schätzung des Congressional Research Service lag er 2023 bei rund 17 Milliarden Gallonen. Das entspricht etwa 64,35 Milliarden Litern.
Die Zahl markiert allerdings erst den Beginn des aktuellen KI-Infrastrukturausbaus. Seit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022 entstanden zahlreiche neue Rechenzentren mit spezialisierter KI-Hardware. Wie stark der Wasserverbrauch seit 2023 tatsächlich gestiegen ist, lässt sich mangels neuer Gesamtzahlen nicht belastbar beziffern.
Die bislang belastbare US-Gesamtzahl endet 2023. Aussagen über den heutigen Wasserverbrauch bleiben deshalb Schätzungen.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Geschätzter Wasserverbrauch 2023 | 17 Milliarden Gallonen |
| Umgerechnet | ca. 64,35 Milliarden Liter |
| Anstieg gegenüber 2014 | Faktor 3 |
| Indirekter Anteil über Stromerzeugung | über 80 % |
| Wasser aus kommunalen Trinkwassersystemen | 97 % |
KI-Hardware verschärft den Kühlbedarf
Beschleuniger für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle benötigen deutlich mehr elektrische Leistung als klassische IT-Systeme. Damit steigt auch die Abwärme, die aus den Rechenzentren abgeführt werden muss. Der Ausbau der Infrastruktur betrifft deshalb nicht nur Chips und Stromnetze, sondern ebenso die lokale Wasserversorgung.
Wie eng diese Ressourcen zusammenhängen, zeigt der indirekte Wasserverbrauch. Mehr als 80 % des gesamten Wasserfußabdrucks von Rechenzentren entstehen laut Bericht nicht auf dem Gelände selbst, sondern bei der Stromerzeugung. Der direkte Verbrauch für die Kühlung macht nur rund 20 % des gesamten Fußabdrucks aus.
Der direkte Wasserverbrauch der Rechenzentren entspricht dennoch schätzungsweise rund 2 % des gesamten US-Wasserverbrauchs. Gleichzeitig stammen 97 % des von den Anlagen bezogenen Wassers aus kommunalen Trinkwassersystemen. In Regionen mit knappen Ressourcen konkurriert industrielle Infrastruktur damit potenziell mit Haushalten und anderen Unternehmen.
Der Zusammenhang zwischen Stromversorgung und Rechenzentren wird auch beim geplanten 7,65-GW-Gaskraftwerk für ein Amazon-Rechenzentrum sichtbar. In Texas führten Netzengpässe bereits zu einem Stopp neuer Netzanschlüsse für KI-Rechenzentren. Wasser, Strom und Kühlung lassen sich bei der Standortplanung daher nicht getrennt betrachten.
Verbrauchsdaten bleiben häufig unter Verschluss
Eine zentrale Schwäche ist die unvollständige Datengrundlage. Die US-Bundesregierung erfasst den Wasserverbrauch der Branche bislang nicht systematisch. Wasserversorgung und Berichtspflichten liegen überwiegend in der Verantwortung der Bundesstaaten.
Zusätzlich können Verträge zwischen Kommunen und Rechenzentrumsbetreibern Klauseln enthalten, die eine Veröffentlichung der Verbrauchsdaten einschränken. Konkrete Werte einzelner großer Cloud-Anbieter lassen sich deshalb nicht zuverlässig vergleichen. Nachhaltigkeitsangaben bleiben ohne einheitliche Messmethoden und prüfbare Standortdaten nur begrenzt aussagekräftig.
Eine von der Virginia Tech aufgebaute Datenbank bündelt Entnahmedaten und Schätzungen aus 42 Bundesstaaten. Parallel haben 36 von 52 erfassten Bundesstaaten und Territorien Gesetzesinitiativen zum Wasserverbrauch von Rechenzentren eingebracht. Auf Bundesebene sind 20 Entwürfe aktiv, davon 14 im Repräsentantenhaus und sechs im Senat. Nur drei haben die Ausschussphase verlassen.
Europa verlangt jährliche Meldungen
Die Europäische Union verfolgt einen anderen Ansatz. Neue Vorgaben verpflichten Rechenzentrumsbetreiber dazu, ihren jährlichen Frischwasserverbrauch und weitere Umweltkennzahlen zu melden. Damit entsteht zumindest die Grundlage für transparentere Standortvergleiche.
Die Umsetzung ist politisch umstritten. Der Branchenverband CISPE warnt davor, dass strenge Anforderungen Infrastruktur aus der EU verdrängen könnten. Ob die EU-Kommission ihre Vorgaben deshalb tatsächlich abschwächt, ist bislang nicht bestätigt.
Für Unternehmen im DACH-Raum ist das Thema auch im Umfeld der Nachhaltigkeitsberichterstattung relevant. Steigende Anforderungen an Wasserverbrauch, Energieeffizienz und Nachweise können die Betriebskosten europäischer Rechenzentren erhöhen. Cloud-Anbieter könnten diese Kosten über ihre Tarife weitergeben oder Kapazitäten in andere Regionen verlagern.
Cloud-Kosten enthalten mehr als Rechenzeit
Der Wasserbedarf zeigt eine Kostenkomponente, die in SaaS- und Cloud-Rechnungen bislang kaum sichtbar ist. Kunden bezahlen Rechenzeit und Speicher, während Ressourcenverbrauch und Standortfolgen beim Betreiber verbleiben. Mit strengeren Umweltauflagen könnte sich das ändern.
On-Premises-Systeme, Edge-KI und regionale Rechenzentren mit transparenten Verbrauchsdaten werden dadurch interessanter. Sie sind nicht automatisch umweltfreundlicher, ermöglichen aber mehr Kontrolle über Hardwareauslastung, Kühlung, Strommix und Modellwahl. Lokal einsetzbare Modelle wie Qwen 3.8 27B können dort sinnvoll sein, wo Datenschutz, planbare Kosten und eine geringere Abhängigkeit von US-Hyperscalern wichtiger sind als maximale Skalierung.
Für die Beschaffung von KI-Diensten reicht damit ein Vergleich der Tokenpreise nicht mehr aus. Standort, Kühlverfahren, Wasserherkunft und veröffentlichte Umweltkennzahlen gehören zunehmend in die Bewertung eines Anbieters. Ohne transparente Daten bleibt ein wesentlicher Teil der tatsächlichen Infrastrukturkosten unsichtbar.

